Sonntag, 18. Oktober 2009
Besichtigungen und Aktivitäten
Die zweite Woche in Jerusalem habe ich die meiste Zeit mit Speisesaaldienst, room service und Generalreinigung der Zimmer verbracht. Dass ich ein bisschen Abwechslung von der Küche hatte, hat mir gut getan.

Inzwischen habe ich mich auch mehr ans Klima gewöhnt, sodass ich jetzt nicht mehr so müde bin. Daher konnte ich auch mehr unternehmen, wenn ich ein paar freie Stunden hatte.

Mein erster freier Tag war am Freitag. Da die meisten Muslime an diesem Tag nicht arbeiten, habe ich die Altstadt tagsüber als sehr ruhig empfunden, was an den anderen Tagen nicht der Fall ist. Wir hatten Freitag eine sehr nette Gruppe aus Düsseldorf da, mit der ich den Tag bei einer Führung durch die Altstadt verbringen durfte.

Zuerst gingen wir durch die relativ leeren Gassen zum Abendmahlsaal und zur Davidssynagoge. Anschließend begaben wir uns nach St. Petrus in Gallicantu, dem Ort, wo Petrus Jesus dreimal verleugnet haben soll bevor der Hahn krähte. Dort konnte man auch den Kerker sehen, in welchem Jesus gefangen genommen worden sein soll. Dieses sehr gut erhaltene Gefängnis war sehr beeindruckend für mich. Heute steht in diesem dunklen Kellerloch eine Kanzel, auf der der Psalm 88 in vielen Sprachen zum Vorlesen ausliegt (Herr Gott, bist du mein Heiland nicht?/Im Drucke meiner schweren Plage/schrei ich zu dir bei Nacht und Tage(...)).

Durch brennende Hitze liefen wir zur Dormitio Abtei, wo der Sterbeort Mariens sein soll, bewunderten die Mosaike und waren dabei, als die Benediktinermönche die Mittagshore beteten.

Während dieser kleinen Wanderung hatten wir einen jüdischen Reiseführer dabei, der immer wieder das Leid der Juden durch Muslime und Christen hervorhob und sich negativ zum Christentum und zum Islam äußerte, was den Pfarrer der Gruppe sehr ärgerte und ihn dazu brachte, wild mit dem jüdischen Führer zu diskutieren.

Als es in ein teures jüdisches Restaurant gehen sollte, zog ich mich mit zwei Studenten zurück und verbrachte mit ihnen noch ein paar Stunden auf den Gassen der Altstadt, wo wir umherschlenderten, die bunten Dinge bewunderten und Falafel mit Humus aßen.

Am Nachmittag hatte ich endlich wieder die Möglichkeit Fußball zu spielen! Da das Paulushaus auf dem Gelände des Shmidts Girls College für palästinensiche christiliche und muslimische Mädchen liegt, gibt es hier einen Sportplatz, wo allerdings keine Tore stehen. Vorgestern hatten ein paar andere Volontäre und ich dort schon gespielt, aber gestern waren wir mit mehreren Volontären von Dahers Weinberg und aus dem French Hospital auf einem öffentlichen Sportplatz mit Toren, wo wir anderthalb Stunden vier gegen vier spielen konnten. Wir waren zwei Mädchen und sechs Jungs und die Mannschaften waren einfach perfekt von der Stärke her. Die Sonne knallte beim Spiel auf uns nieder und es war unglaublich heiß. Es tat aber so gut, wieder Sport zu machen, weil man hier in der Umgebung leider nicht joggen gehen kann.

In den letzten Tagen war ich auch mit zwei anderen älteren Volontärinnen in der Altstadt spazieren, wobei wir an der Klagemauer vorbeigegangen sind, um auf den Tempelberg zu steigen. Dort hat es mir sehr gut gefallen, diese weite Fläche dort oben ist eine angenehme Abwechslung gegenüber der durch Überdachung dunklen Altstadt. Außerdem sind die Al-Aqsa Moschee und der Felsendom wunderschön anzusehen. Betreten kann man diese Bauwerke allerdings nicht mehr, sofern man nicht Muslim ist. Dies wird auch am Eingang geprüft, indem die Eintretenden etwas Ähnliches wie das Glaubensbekenntnis aufsagen müssen, sofern Zweifel bestehen.

Felsendom
Felsendom

Außerdem bin ich an einem Abend mit Ede, einer anderen Volontärin, zu einem Orgelkonzert im Franziskanerkloster beim Neuen Tor gegangen.

Heute Nachmittag wird mein Hebräisch-Sprachkurs beginnen, der die nächsten drei Montate immer zweimal pro Woche für jeweils drei Stunden stattfinden wird. Ich bin schon sehr gespannt, ob der Kurs tatsächlich hauptsächlich auf Hebräisch stattfinden wird, oder ob man doch häufig auf Englisch ausweicht. Froh bin ich darüber, dass ich dort mein Gehirn wieder etwas anstrengen kann...

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