Montag, 26. Oktober 2009
Wanderung in Ein Gedi und Baden im Toten Meer
Meine Familie besucht mich zurzeit in Jerusalem!
Zum Glück konnte ich daher in der letzten Woche vorarbeiten, sodass ich mir den Mittwoch und Donnerstag komplett freinehmen konnte.

Am Mittwoch haben wir den Bus nach Ein Gedi am Toten Meer genommen, der etwa eine Stunde von Jerusalem gebraucht hat. Die Fahrt durch die Geröllwüste war sehr beeindruckend, da ich eine solche Landschaft noch nie gesehen habe. Ab und an fuhren wir an kleinen Hütten mitten in der Ödnis vorbei, wo palästinensische Beduinen leben. Tatsächlich sahen wir auch eine Schafherde, die auf vollkommen unbewachsenem Gebiet umhergetrieben wurde. Es ist mir unbegreiflich, wie diese Menschen dort in der Lage sind, ein Leben zu führen und gleichzeitig Tiere zu ernähren. Um die Hütten waren teilweise Zäune errichtet, wo etwas Grün sprießte, doch abgesehen davon konnte ich nichts Fruchtbares entdecken. Unglaublich, wie Menschen ein Leben in dieser Einfachheit und Härte führen können, abgeschieden von aller Modernität.

Der Nationalpark Ein Gedi ist ein wunderschönes Gebiet, doch ich war recht erstaunt, dass es größtenteils aus Wüste und kaum aus Bewachsung besteht. Bei großer Hitze mit 35 Grad im Schatten machten wir eine Wanderung, die uns zuerst an einem Flüsschen entlang führte, der sich in der Höhe als perfekte Bademöglichkeit entpuppte. Es war traumhaft, sich in ein von der Natur geschaffenes mit kühlem Wasser gefülltes Bassin gleiten zu lassen.

Nach dieser Erfrischung setzten wir die Wanderung fort und nun bewegten wir uns eigentlich nur noch in der Sonne, mitten in der Wüste. Der Ausblick war fantastisch, einerseits auf die rötlichen Felsen und unter uns, auf das Tote Meer, welches blau schimmerte. Über ihm lag ein weißlicher Dunst; Salznebel, wie ich vermute.

Wanderung durch die felsige Wüste

Steinstruktur und Papa

Nie hätte ich geglaubt, dass ich jemals zum Toten Meer kommen würde, als ich seine Lage noch im Erdkundeunterricht auswendig lernte. Diesen Traum vom Wasser, in dem man schwebt, hatte ich schon als Kind, auch wenn mir seine Leblosigkeit immer etwas Angst machte. Tatsächlich ist das Tote Meer biologisch nicht tot, es leben dort verschiedene Bakterien, sowie sehr salzrtolerante Wasserpflanzen.

Blick aufs Tote Meer

Nach der Wanderung war ich jedoch so ausgedörrt, dass ich gar nicht so große Lust verspürte, mich ins Wasser zu werfen. Als ich es doch tat, wurde mir klar, dass es ein riesiger Fehler gewesen war, mit dem Kopf unterzutauchen. Das Tote Meer besteht zu durchschnittlich 28 Prozent aus Salz und Alles brannte, als ich wieder auftauchte. Sehen konnte ich zwei Minuten lang gar nichts mehr. Der Druck unter Wasser war auch enorm hoch, sodass es wehtat, als ich versuchte, mich nach unten zu begeben.

Der Salzgehalt ist so hoch, dass man tatsächlich auf der Oberfläche treibt und man nicht wirklich schwimmen kann, da Beine und Arme immer aus dem Wasser herausgehoben werden. Das Einzige, was man also tun kann, ist, wie eine Wasserleiche herumzuliegen. Tatsächlich ist es auch entspannend und ich wage zu behaupten, dass ich in der Position fast eingeschlafen wäre.

Baden

Das gelöste Salz, welches man auch schlierig sehen kann, wenn man von oben am Ufer hineinschaut, überzieht einen wie eine Art ölige Glitschigkeit. Wenn man allerdings aus dem Wasser kommt, wobei man unter Gleichgewichtsstörungen leidet, fühlt man sich wie ein Panzernashorn, das aufgrund von Sand, welcher sich in den Falten verfangen hat, schnell eine Dusche nehmen möchte.
Das Wasser war genauso warm, wie die Umgebungstemperatur. Am Seerand waren die Steine salzverkrustet.

Salzstein

Das Tote Meer ist mit über vierhundertzwanzig Metern unter dem Meeresspiegel das tiefstliegende Gewässer der Welt. In den letzten hundert Jahren ist der Wasserspiegel über 12 Meter gesunken, da der Jordan, Hauptzufluss fürs Tote Meer, nicht mehr so viel Wasser führt, weil aus ihm für die Trinkwasserversorgung Israels und Jordaniens sehr viel Wasser entnommen wird und auch die Verdunstung sehr hoch ist. Der Wasserspiegel sinkt inzwischen sogar jährlich um etwa einen Meter, sodass das Tote Meer von Austrocknung bedroht ist.

Wer sich mehr dafür interessiert:
http://www.taz.de/1/zukunft/umwelt/artikel/1/das-tote-meer-soll-leben/

Abendlicht und ich

Als wir uns nachmittags um halb fünf zum Bus begaben, der eine dreiviertel Stunde zu spät kam, ging die Sonne hinter den rötlichen Wüstenbergen unter und das Tote Meer schillerte hellblau.

Palmen am Toten Meer

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