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Montag, 9. November 2009
Bethlehm
kathrin schulz, 01:01h
Meinen freien Tag am Samstag nutze ich, um mit Jona eine dreiviertelstündige Fahrt im arabischen Sherut nach Bethlehem zu unternehmen, um einen Eindruck von der Stadt zu gewinnen.
Es ist für mich das erste Mal, dass ich den Checkpoint passieren muss und mich auf die andere Seite der Mauer bewege. Wir haben mit unserem Touristenvisum keinerlei Probleme in die die Westbank zu kommen. Der Bus beendet seine Fahrt unmittelbar vor dem Checkpoint, den wir durchlaufen. Unsere Pässe werden kontrolliert und wir gehen durch ein Drehkreuz und einen schmalen langen Gang zwischen dem Stacheldrahtzaun und der sechs Meter hohen Betonmauer entlang, bis wir auf der anderen Seite sind. Für mich ist es beklemmend, die Kontrolle und diese so weit sichtbare Mauer zu passieren, die das Land teilt.
Vom Checkpoint aus erwandern wir uns Bethlehem bei strahlendem Sonnenschein. Vorbei geht es an brach liegenden Freiflächen, Schutt, Müll und abgerissenen oder abgebrannten Häusern entlang der Mauer. Die Mauer selbst: mit unglaublich vielen Graffities beschmiert, die Freiheit, Friede oder Menschenrechte fordern. Ein Graffiti zeigt ein Nashorn, was die Mauer durchbricht. Daneben ironischerweise eine mehrere Meter messende Speisekarte des Restaurants gegenüber. Kontrolltürme auf der Mauer in regelmäßigen Abständen, immer wieder gerosteter Stacheldrahtzaun neben der Mauer und Müll dazwischen. In einer Sackgasse an der Mauer: ein geschlossenes schickes Modegeschäft.
Je mehr wir uns der Altstadt nähern, desto mehr stinken die Abgase der Autos. Nach einigem Fragen finden wir die Geburtskirche Jesu auf einem großen Platz. Ihr gegenüber: eine Moschee, in der sich unten ein kleines Tabakgeschäft befindet.
Hier tummeln sich viele Touristengruppen, die dem angeblichen Geburtstort Jesu besonders nah sein wollen. Wir betreten, uns bückend, die Demutspforte, die in die Kirche führt und den Blick auf vier Säulenreihen sowie einen sehr überladenen Altarraum sowie ein Knäuel ansteheder Besucher freimacht. Stimmengewirr umgibt uns und ein aufdringlicher Führer will nicht von unserer Seite weichen, um uns ohne zu warten in die Geburtsgrotte Jesu zu führen. Ein Ort der Besinnung ist dies nicht.
Daneben schließt sich die sehr viel jüngere Katharinenkirche an, wo an Weihnachten immer ein Gottesdienst abgehalten wird.
Wir machen uns auf zur Milchgrotte: hier soll Maria auf der Flucht nach Ägypten mit Josef und dem Säugling Jesu einen Tropfen ihrer Muttermilch verloren haben, worauf sich die Grotte weiß verfärbt haben soll.
An der Bethlehem Universität sind wir mit Max verabredet, einem befreundeten Volontär, der ab und zu ins Paulushaus kommt und mit dem ich hoffentlich Ende November nach Jordanien fahren werde. Er ist an der Uni der einzige Volontär und kümmert sich um Touristengruppen, Führungen und Übersetzungen. Die Bethlehem Universität wird von 70 Prozent Muslimen und 30 Prozent Christen besucht. Sieben von zehn Studenten sind weiblich. Fast alle Frauen tragen hier ein Kopftuch.
Nach dem Verspeisen einer Falafel für unglaubliche vier Schekel (ca. 74 Cent) führt Max uns durch die Universität, zeigt uns den sehr schön bepflanzten und erholsamen Campus und führt uns auf die Dachterasse, von wo aus man den Verlauf der Mauer und zwei Flüchtlingslager entdecken kann. In Richtung Osten erkennen wir duch einen Dunstschleier das Tote Meer, sowie eine Ahnung von Jordanien. In der Bibliothek ist das von vor wenigen Jahren stammende Einschussloch eines israelischen Panzers durch eine Glasverkleidung für Besucher sichtbar.
Wir machen uns auf zum Hirtenfeld, wo die Engel den Hirten verkündigt haben sollen, dass Jesus geboren wurde. Die erste halbe Stunde laufen wir zu Fuß die vor Abgasen stinkende Straße hinunter, essen ein Eis und fahren mit einem Service Taxi, in dem es nach totem Tier riecht, das letzte Stück zum Shepheard´s Field. Wir finden zwar keine saftige Weide vor, sondern ausgetrockneten Wüstenboden, auf dem aber immerhin ein paar Olivenbäume stehen, die uns Erquickung genug sind.
Die Hirtengrotte finde ich sehr angenehm, auch wenn das unechte flackernde Feuer in der Ecke unglaubwürdig und kitschig wirkt. Der Mosaikfußboden, vermutlich aus der Zeit, als hier ein byzantinisches Kloster stand, gefällt mir besonders.
Die Sonne geht - zwar auf der anderen Seite - gerade unter und wir sitzen eine ganze Weile schweigend und dem Muezzin lauschend auf den Ruinen und schauen Richtung Osten, über den Stachel- und Elektrodrahtzaun hinweg.
Nachdem wir in Max Wohnung Tee getrunken haben besuchen wir einen arabischen älteren mit Max befreundeten Souvenirladenbesitzer, der uns süßen Tee kocht und uns anschließend, seinen Laden kurzerhand für uns schließend, in seinem klapprigen Auto, Baujahr 1987, zur Bushaltestelle fährt. Er erzählt uns, dass er vor wenigen Tagen die Erlaubnis von Israel erhalten hat, für die nächsten sechs Monate mit dem Auto nach Jerusalem fahren zu dürfen. Nachts darf er dort jedoch nicht bleiben, sondern muss vor zwölf Uhr zurück in Bethlehem sein. Den Antrag hat er vor vielen Jahren gestellt. Er glaubt, dass der Antrag bewilligt wurde, da er einen festen Job in Bethlehem hat und die Behörden ihm eine Flucht beziehungsweise einen kurzfristigen Umzug nicht zutrauen.
Auf dem Rückweg passieren wir den Checkpoint im israelischen Bus: alle Fahrgäste müssen aussteigen. Die Pässe werden kontrolliert. Nachdem ein bewaffneter Soldat den Bus kontrolliert hat werde ich mit meinem Pass einfach wieder zum Einsteigen in den Bus gewinkt, währen die wohl palästinensische Frau vor mir einige Fragen beantworten muss. Die Grenzpolizisten sind müde, daher dauert die Prozedur nicht allzu lange.
Max begleitet uns nach Jerusalem und wir machen uns mit Laura und Lisa zum nächsten Treffen auf: wir sind mit zwei Amerikanerinnen aus dem Sprachkurs verabredet, um etwas zusammen zu trinken. Doch wir sind zu müde, um noch viel zu machen. Der Tag in Bethlehem war ermüdend - und das lustige Zusammentreffen mit den Mädchen passt nicht wirklich zum Programm, das wir tagsüber hatten.

im Sherut

die Mauer von der israelischen Seite aus beim Checkpoint

zwischen Metallzaun und Mauer nach Passieren des Checkpoints

Graffities auf der Mauer

bei solchen Plakaten wäre es interessant Arabisch zu können!

Bethlehem Universität

abgerissen oder im Bau?

Hirtenfeld

was soll man davon halten?

das Gegenstück
Es ist für mich das erste Mal, dass ich den Checkpoint passieren muss und mich auf die andere Seite der Mauer bewege. Wir haben mit unserem Touristenvisum keinerlei Probleme in die die Westbank zu kommen. Der Bus beendet seine Fahrt unmittelbar vor dem Checkpoint, den wir durchlaufen. Unsere Pässe werden kontrolliert und wir gehen durch ein Drehkreuz und einen schmalen langen Gang zwischen dem Stacheldrahtzaun und der sechs Meter hohen Betonmauer entlang, bis wir auf der anderen Seite sind. Für mich ist es beklemmend, die Kontrolle und diese so weit sichtbare Mauer zu passieren, die das Land teilt.
Vom Checkpoint aus erwandern wir uns Bethlehem bei strahlendem Sonnenschein. Vorbei geht es an brach liegenden Freiflächen, Schutt, Müll und abgerissenen oder abgebrannten Häusern entlang der Mauer. Die Mauer selbst: mit unglaublich vielen Graffities beschmiert, die Freiheit, Friede oder Menschenrechte fordern. Ein Graffiti zeigt ein Nashorn, was die Mauer durchbricht. Daneben ironischerweise eine mehrere Meter messende Speisekarte des Restaurants gegenüber. Kontrolltürme auf der Mauer in regelmäßigen Abständen, immer wieder gerosteter Stacheldrahtzaun neben der Mauer und Müll dazwischen. In einer Sackgasse an der Mauer: ein geschlossenes schickes Modegeschäft.
Je mehr wir uns der Altstadt nähern, desto mehr stinken die Abgase der Autos. Nach einigem Fragen finden wir die Geburtskirche Jesu auf einem großen Platz. Ihr gegenüber: eine Moschee, in der sich unten ein kleines Tabakgeschäft befindet.
Hier tummeln sich viele Touristengruppen, die dem angeblichen Geburtstort Jesu besonders nah sein wollen. Wir betreten, uns bückend, die Demutspforte, die in die Kirche führt und den Blick auf vier Säulenreihen sowie einen sehr überladenen Altarraum sowie ein Knäuel ansteheder Besucher freimacht. Stimmengewirr umgibt uns und ein aufdringlicher Führer will nicht von unserer Seite weichen, um uns ohne zu warten in die Geburtsgrotte Jesu zu führen. Ein Ort der Besinnung ist dies nicht.
Daneben schließt sich die sehr viel jüngere Katharinenkirche an, wo an Weihnachten immer ein Gottesdienst abgehalten wird.
Wir machen uns auf zur Milchgrotte: hier soll Maria auf der Flucht nach Ägypten mit Josef und dem Säugling Jesu einen Tropfen ihrer Muttermilch verloren haben, worauf sich die Grotte weiß verfärbt haben soll.
An der Bethlehem Universität sind wir mit Max verabredet, einem befreundeten Volontär, der ab und zu ins Paulushaus kommt und mit dem ich hoffentlich Ende November nach Jordanien fahren werde. Er ist an der Uni der einzige Volontär und kümmert sich um Touristengruppen, Führungen und Übersetzungen. Die Bethlehem Universität wird von 70 Prozent Muslimen und 30 Prozent Christen besucht. Sieben von zehn Studenten sind weiblich. Fast alle Frauen tragen hier ein Kopftuch.
Nach dem Verspeisen einer Falafel für unglaubliche vier Schekel (ca. 74 Cent) führt Max uns durch die Universität, zeigt uns den sehr schön bepflanzten und erholsamen Campus und führt uns auf die Dachterasse, von wo aus man den Verlauf der Mauer und zwei Flüchtlingslager entdecken kann. In Richtung Osten erkennen wir duch einen Dunstschleier das Tote Meer, sowie eine Ahnung von Jordanien. In der Bibliothek ist das von vor wenigen Jahren stammende Einschussloch eines israelischen Panzers durch eine Glasverkleidung für Besucher sichtbar.
Wir machen uns auf zum Hirtenfeld, wo die Engel den Hirten verkündigt haben sollen, dass Jesus geboren wurde. Die erste halbe Stunde laufen wir zu Fuß die vor Abgasen stinkende Straße hinunter, essen ein Eis und fahren mit einem Service Taxi, in dem es nach totem Tier riecht, das letzte Stück zum Shepheard´s Field. Wir finden zwar keine saftige Weide vor, sondern ausgetrockneten Wüstenboden, auf dem aber immerhin ein paar Olivenbäume stehen, die uns Erquickung genug sind.
Die Hirtengrotte finde ich sehr angenehm, auch wenn das unechte flackernde Feuer in der Ecke unglaubwürdig und kitschig wirkt. Der Mosaikfußboden, vermutlich aus der Zeit, als hier ein byzantinisches Kloster stand, gefällt mir besonders.
Die Sonne geht - zwar auf der anderen Seite - gerade unter und wir sitzen eine ganze Weile schweigend und dem Muezzin lauschend auf den Ruinen und schauen Richtung Osten, über den Stachel- und Elektrodrahtzaun hinweg.
Nachdem wir in Max Wohnung Tee getrunken haben besuchen wir einen arabischen älteren mit Max befreundeten Souvenirladenbesitzer, der uns süßen Tee kocht und uns anschließend, seinen Laden kurzerhand für uns schließend, in seinem klapprigen Auto, Baujahr 1987, zur Bushaltestelle fährt. Er erzählt uns, dass er vor wenigen Tagen die Erlaubnis von Israel erhalten hat, für die nächsten sechs Monate mit dem Auto nach Jerusalem fahren zu dürfen. Nachts darf er dort jedoch nicht bleiben, sondern muss vor zwölf Uhr zurück in Bethlehem sein. Den Antrag hat er vor vielen Jahren gestellt. Er glaubt, dass der Antrag bewilligt wurde, da er einen festen Job in Bethlehem hat und die Behörden ihm eine Flucht beziehungsweise einen kurzfristigen Umzug nicht zutrauen.
Auf dem Rückweg passieren wir den Checkpoint im israelischen Bus: alle Fahrgäste müssen aussteigen. Die Pässe werden kontrolliert. Nachdem ein bewaffneter Soldat den Bus kontrolliert hat werde ich mit meinem Pass einfach wieder zum Einsteigen in den Bus gewinkt, währen die wohl palästinensische Frau vor mir einige Fragen beantworten muss. Die Grenzpolizisten sind müde, daher dauert die Prozedur nicht allzu lange.
Max begleitet uns nach Jerusalem und wir machen uns mit Laura und Lisa zum nächsten Treffen auf: wir sind mit zwei Amerikanerinnen aus dem Sprachkurs verabredet, um etwas zusammen zu trinken. Doch wir sind zu müde, um noch viel zu machen. Der Tag in Bethlehem war ermüdend - und das lustige Zusammentreffen mit den Mädchen passt nicht wirklich zum Programm, das wir tagsüber hatten.

im Sherut

die Mauer von der israelischen Seite aus beim Checkpoint

zwischen Metallzaun und Mauer nach Passieren des Checkpoints

Graffities auf der Mauer

bei solchen Plakaten wäre es interessant Arabisch zu können!

Bethlehem Universität

abgerissen oder im Bau?

Hirtenfeld

was soll man davon halten?

das Gegenstück
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