Dienstag, 13. Oktober 2009
Die liebe Arbeit
Seit fast einer Woche bin ich bereits im Paulushaus in Jerusalem als Volontärin tätig. Es kommt mir noch nicht so lange vor, da ich immer noch nicht weiß, wo sich viele Dinge befinden und da meine Tätigkeiten bisher nicht besonders abwechslungsreich waren.

Pro Woche arbeite ich um die vierzig Stunden, die auf sechs Tage aufgeteilt sind, wodurch ich pro Tag etwa sieben Stunden zu tun habe.
Bisher habe ich hauptsächlich in der Küche geholfen beim sehr stressigen und körperlich anstrengenden Abwaschen, habe unter Anderem den Kühlraum geputzt, die Wände geschrubbt, den großen Schrank gesäubert, immer wieder den Boden gereinigt, indem die gesamte Küche unter Wasser gesetzt wurde, Gemüse geschnitten, Geschirr hin und her getragen, abgetrocknet,... Also reine Körperarbeit. Hirnarbeit fehlt mir inzwischen.

An die frische Luft komme ich während dieser Zeit gar nicht. Nach der Arbeit bin ich sehr geschafft, sodass die Lust und Kraft danach alleine noch etwas zu unternehmen nicht besonders groß ist.
Es gibt wirklich viel zu tun im Haus, immerhin ist im Oktober Hauptsaison, weil dann das Wetter nicht zu heiß und nicht zu kalt ist. Da wir momentan um die 60-80 Gäste haben, wird die Hilfe der zurzeit acht Volontäre sehr gebraucht. Zwar gibt es noch ein paar fest angestellte Mitarbeiter, aber es häuft sich in einem solchen Betrieb so viel Arbeit an, wie ich lange nicht gedacht hätte.

Meine weiteren Arbeiten, die ich bisher verrichtet habe, waren Speisesaaldienst und Frühstück vorbereiten (um halb 6 aufstehen), was mehr Arbeit ist, als nach was es klingt. Morgen bin ich mit der Zimmerreinigung an der Reihe, auch wenn die Küchenarbeit mein Hauptgebiet bleiben wird.

Schwester Ruth und ich im Speisesaal
Schwester Ruth und ich im Speisesaal

Gäste können wirklich anstrengend sein, besonders, wenn sie in Massen vor dem offiziellen Beginn des Essens und vor der Fertigstellung des Buffets in den Speisesaal vordringen und wie ein Heuschreckenschwarm gnadenlos alles verschlingen, sodass man schon vor Beginn (!) alles wiederauffüllen muss. Auch gibt es Gäste, die sich ständig beklagen und uns anpflaumen, wenn wir uns nicht um zehn Sachen gleichzeitig kümmern können. Von manchen Gästen wird das Paulushaus als Hotel betrachtet, was jedoch nicht der Fall ist - für uns Mitarbeiter ein Problem, da wir für Vieles verantwortlich gemacht werden, was nicht in unserer Macht steht.
Auf der anderen Seite gibt es auch Gäste, die sehr dankbar für Alles sind und es ist wirklich eine Freude, wenn sie unsere Arbeit zur Kenntnis nehmen und uns loben.

In der Küche, wo ich bisher die meiste Zeit verbracht habe, gibt es nur christliche arabische Mitarbeiter, die es hier sehr schwer haben, einen Job zu bekommen.

Die Mitarbeiter sind sehr nett zu mir. Während meiner Arbeit dort erschallen um mich ununterbrochen arabische Liebeslieder aus kehlig-rauen Rauchermündern oder aus dem aus dem Radio. Meistens singen alle Angestellten gleichzeitig unterschiedliche Lieder. Dadurch bin auch ich zum Glück nicht mehr gehemmt, mich an diesem Lärm zu beteiligen und meinen Teil dazu beizutragen... Außerdem wird die Küche mindestens einmal pro Tag als arabisches Tanzetablissement von den Mitarbeitern genutzt.

Die Anderen können teils gar nicht, teils etwas Englisch, nur eine Frau kann soviel Französisch, dass wir uns gut unterhalten können. Für mich ist es interessant, wenn sie mich fragen, was einige Wörter bedeuten, die ich benutze. Leider lerne ich dadurch die Sprachen nicht besser, ich habe vielmehr dass Gefühl, ich rede schon wie sie. Doch zum Glück habe ich inzwischen einen amerikanischen Volo kennengelernt, mit dem es eine pure Freude ist, mich zu unterhalten.
In der Küche verständigen wir uns daher meist mit Händen und Füßen oder mir werden auf Arabisch Dinge erklärt, die ich thematisch immerhin erahnen kann.

Mit "Kathrina" oder "Habibi" werde ich nicht nur angesprochen, wenn ich etwas putzen soll, sondern auch, wenn mir köstliche Leckereien in den Mund geschoben werden, was alle paar Minuten der Fall ist, wenn wieder etwas aus dem Ofen kommt. Am Hungertuch nage ich demnach auf keinen Fall.

Insgesamt bin ich recht zufrieden hier, zumal die anderen Volontäre wirklich nett sind. Auch wenn mir mein Putzjob bereits jetzt langsam reicht, gibt es doch Momente, in denen es Freude macht, Dreck zu entfernen und anschließend sich selbst lobend und befriedigt die blitzende Stelle immer wieder zu betrachten oder beschwingt und mit klopfendem Herzen an sie zu denken. :-)

Inzwischen habe ich einige Volontäre von anderen Einsatzstellen kennen gelernt, die oft über das Wochenende nach Jerusalem ins Paulushaus kommen. Mit ihnen habe ich einen Abend in der Weststadt verbracht, was aufgrund von Erfahrungsaustausch und neuen netten Kontakten eine große Bereicherung für mich war und in mir erstmalig eine innere Ruhe und ein Glücksgefühl auslöste, was ich hier bisher noch nicht erfahren hatte. Vielleicht, weil es mir zeigt, dass ich nicht nur an das Paulushaus und dessen Mitarbeiter gebunden bin, sondern ich somit auch die Möglichkeit habe, andere nette junge Leute wiederzutreffen, die ähnliche Interessen haben und mir ihre Umgebung zeigen, sodass ich gleichzeitig das Land bereisen kann? Vielleicht ist es eine Ahnung von mich erwartender Freiheit?

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