Montag, 23. November 2009
Ramallah und Haifa
kathrin schulz, 11:43h
Nachdem der Computer heute Nacht meinen neuen Text, an dem ich zwei Stunden saß, beim Online setzen löschte, ging ich wütend ins Bett. Auch hier ist man also nicht sicher vor dem bösen uneinschätzbaren Computer... Ich werde mich jetzt etwas kürzer fassen.
Wieder mal bin ich ein wenig im Land umher gereist und habe mir an einem Tag Ramallah und eine Woche später Haifa angesehen.
Ramallah liegt nur 15 Kilometer nördlich von Jerusalem und befindet sich in den palästinensichen Autonomiegebieten. Daher fuhren Jona und ich mit dem Sherut.
Ramallah ist arabisch geprägt, weswegen die Frauen ausschließlich in langen Gewändern und mit Kopftuch herumliefen. Zum Glück hatte ich Jona dabei, der durch seine Präsenz verhinderte, dass ich alle drei Meter angesprochen wurde. Daher wurde ich lediglich mit Bananenstückchen beworfen und angestarrt. Als weiblicher blonder Rucksacktourist ist man für die dortige Bevölkerung eine Attraktion.
Zuerst besuchten wir das Grab Arafats. Hierzu mussten wir unsere Rucksäcke abgeben und betraten anschließend einen kalksteingepflasterten Platz, an dessen Ende ein in jede Dimension elf Meter messender würfelförmiger Raum war. In diesem Mausoleum liegt, von Soldaten der palästinensischen Ehrengarde streng bewacht, Arafat, welcher für viele Palästinenser ein Vorbild ist.
Dass das Mausoleum elf Meter lang, breit und hoch ist, steht damit im Zusammenhang, dass Arafat am 11. November 2004 verstarb.
Grab Arafats
Zu meinem Erstaunen durften wir baren Fußes die Moschee betreten, die sich gegenüber des Grabes befindet. Dabei handelt es sich um einen großen hellen Raum mit weichem Teppichboden, wo die Frauen sich im oberen und die Männer sich im unteren Teil des Raumes aufhalten.
Danach erliefen wir uns einige Teile Ramallahs, schauten uns die Altstadt an, die sich in keiner Weise von der staubigen, heißen und von Menschen verstopften Neustadt unterscheidet. Außerdem fanden wir uns kurze Zeit inmitten eines Obst- und Gemüsemarktes wieder.
Auf dem Rückweg mussten wir am Grenzübergang eine halbe bis dreiviertel Stunde darauf warten, durchgelassen zu werden. An jedem Drehkreuz hieß es warten auf das grüne Licht, Rucksack durchleuchten lassen, eine piepende Sicherheitstür durchgehen, Pass vorzeigen. Morgens kann es passieren, dass die Leute mehrere Stunden darauf warten müssen, in den israelischen Teil des Landes zur Arbeit hinüber zu kommen. Sie wissen nie, wie viel Zeit sie am Grenzübergang verbringen müssen.
Zum Glück kam ich noch rechtzeitig zu meinem Sprachkurs zurück.
Straße in Ramallah

halb abgerissenes Haus - weil eine Straße davor gebaut wurde?
Nach Haifa fuhr ich eine Woche später mit Laura an einem Freitag. Die Fahrt im Bus dauerte zwei Stunden und es war hochinteressant zu sehen, wie viel fruchtbarer das Land wird, je mehr man sich dem Mittelmeer nähert. Gegenüber dieses satten Grüns des Grases erscheint mir Jerusalem vollkommen öde und karg.
In Haifa hatten wir relativ wenig Zeit, da um drei einer der letzten Busse zurück nach Jerusalem fuhr - schliesslich fahren die israelischen Busse mit Beginn des Shabbats nicht weiter.
Wir gingen zu den Bahaigärten. Die Bahai sind Mitglieder einer Religion, die sich vom Islam abgespalten hat. Die Bahai glauben an einen einzigen Gott und, wie uns die Führerin durch den Garten erzählte, ist den Bahai besonders die Einheit der Menschheit wichtig. Für mich war es sehr erholsam mich in diesem Naturhain aufzuhalten und auch mal wieder frische Seeluft zu schnuppern. In dem Garten arbeiten um die 180 Personen, die meisten davon Gärtner, aber auch Volontäre, die aus vieleln Ländern angereist kommen, um den Haupsitz der Bahai zu unterstützen.
Wikipedia zufolge praktizieren die Bahai ihre Religion folgendermaßen:
"Die Bahai-Religion schreibt kaum Riten vor, individueller Gestaltungsfreiraum ist gegeben und Inkulturation wird begrüßt. Adressat fast aller Gebote ist das Individuum, nicht die Gemeinde. Einen unmittelbar erlösenden oder heilsbringenden Charakter haben die Riten nicht. Was zählt, ist die geistige Grundhaltung und nicht die äußere Form. Eine Etablierung kultischer Traditionen jenseits der von Baha’u’llah vorgeschriebenen Riten wird aufgrund der Gefahr der „Verkrustung der Religion“ abgelehnt." (vom 26.11.09, 11:48)

Der Terassen des Bahaigartens vom unteren Teil Haifas aus

Der Garten von oben

schöne Aussicht auf die Stadt

Nach dem Gang durch den Garten machten sich Laura und ich, sowie ein anderer Deutscher, den wir während der Führung kennen gelernt hatten, in die German Colony auf und aßen Sandwiches. Dann mussten wir auch schon wieder zurück fahren. Von der Stadt habe ich bedauernswerterweise nicht so viel gesehen, wie ich mir erhofft hatte.
In Jerusalem angekommen waren die Straßen aufgrund des Shabbats menschenleer. Nur gelegentlich kamen uns jüdische Familien mit mehreren kleinen Kindern entgegen. Diese Stimmung war für mich ganz neu, da ich Freitags sonst immer arbeiten musste.
Aufgrund dieser besonderen Stimmung ging ich abends noch mit Jona ins jüdische Viertel Mea Shearim. Auf den autoleeren Straßen flanierten Heerscharen von feinen und in schwarz gekleideten Juden. Ich kam mir vor, als würde ich in einem anderen Jahrhundert spazieren gehen. Aus manchen Häusern hörten wir jüdischen Gesang.
Auf Schildern wurde darauf hingewiesen, dass diese Wohngegend, wo nur Juden leben, keine touristische Attraktion seien und auf denen erklärt wurde, wie sich Frauen zu kleiden hätten. Jona und ich stachen aufgrund unserer normalen Kleidung tatsächlich sehr aus den uns Umgebenden heraus und wir fühlten uns teiweise unwohl, weil wir nicht als Gaffer betrachtet werden wollten.
Auf einem anderen Schild lasen wir zu unserem Erstaunen, dass sich der dort lebende Teil der Juden sich nicht mit den Zionisten identifiziere und sogar gegen die Gründung eines jüdischen Staates sei. Man kann nicht alle Juden in einen Topf werfen: es gibt hier so viele verschiedene jüdische Gruppierungen, die teilweise Gegensätzliches für richtig halten.
FOTOS FOLGEN BALD!
Wieder mal bin ich ein wenig im Land umher gereist und habe mir an einem Tag Ramallah und eine Woche später Haifa angesehen.
Ramallah liegt nur 15 Kilometer nördlich von Jerusalem und befindet sich in den palästinensichen Autonomiegebieten. Daher fuhren Jona und ich mit dem Sherut.
Ramallah ist arabisch geprägt, weswegen die Frauen ausschließlich in langen Gewändern und mit Kopftuch herumliefen. Zum Glück hatte ich Jona dabei, der durch seine Präsenz verhinderte, dass ich alle drei Meter angesprochen wurde. Daher wurde ich lediglich mit Bananenstückchen beworfen und angestarrt. Als weiblicher blonder Rucksacktourist ist man für die dortige Bevölkerung eine Attraktion.
Zuerst besuchten wir das Grab Arafats. Hierzu mussten wir unsere Rucksäcke abgeben und betraten anschließend einen kalksteingepflasterten Platz, an dessen Ende ein in jede Dimension elf Meter messender würfelförmiger Raum war. In diesem Mausoleum liegt, von Soldaten der palästinensischen Ehrengarde streng bewacht, Arafat, welcher für viele Palästinenser ein Vorbild ist.
Dass das Mausoleum elf Meter lang, breit und hoch ist, steht damit im Zusammenhang, dass Arafat am 11. November 2004 verstarb.
Grab Arafats
Zu meinem Erstaunen durften wir baren Fußes die Moschee betreten, die sich gegenüber des Grabes befindet. Dabei handelt es sich um einen großen hellen Raum mit weichem Teppichboden, wo die Frauen sich im oberen und die Männer sich im unteren Teil des Raumes aufhalten.
Danach erliefen wir uns einige Teile Ramallahs, schauten uns die Altstadt an, die sich in keiner Weise von der staubigen, heißen und von Menschen verstopften Neustadt unterscheidet. Außerdem fanden wir uns kurze Zeit inmitten eines Obst- und Gemüsemarktes wieder.
Auf dem Rückweg mussten wir am Grenzübergang eine halbe bis dreiviertel Stunde darauf warten, durchgelassen zu werden. An jedem Drehkreuz hieß es warten auf das grüne Licht, Rucksack durchleuchten lassen, eine piepende Sicherheitstür durchgehen, Pass vorzeigen. Morgens kann es passieren, dass die Leute mehrere Stunden darauf warten müssen, in den israelischen Teil des Landes zur Arbeit hinüber zu kommen. Sie wissen nie, wie viel Zeit sie am Grenzübergang verbringen müssen.
Zum Glück kam ich noch rechtzeitig zu meinem Sprachkurs zurück.
Straße in Ramallah

halb abgerissenes Haus - weil eine Straße davor gebaut wurde?
Nach Haifa fuhr ich eine Woche später mit Laura an einem Freitag. Die Fahrt im Bus dauerte zwei Stunden und es war hochinteressant zu sehen, wie viel fruchtbarer das Land wird, je mehr man sich dem Mittelmeer nähert. Gegenüber dieses satten Grüns des Grases erscheint mir Jerusalem vollkommen öde und karg.
In Haifa hatten wir relativ wenig Zeit, da um drei einer der letzten Busse zurück nach Jerusalem fuhr - schliesslich fahren die israelischen Busse mit Beginn des Shabbats nicht weiter.
Wir gingen zu den Bahaigärten. Die Bahai sind Mitglieder einer Religion, die sich vom Islam abgespalten hat. Die Bahai glauben an einen einzigen Gott und, wie uns die Führerin durch den Garten erzählte, ist den Bahai besonders die Einheit der Menschheit wichtig. Für mich war es sehr erholsam mich in diesem Naturhain aufzuhalten und auch mal wieder frische Seeluft zu schnuppern. In dem Garten arbeiten um die 180 Personen, die meisten davon Gärtner, aber auch Volontäre, die aus vieleln Ländern angereist kommen, um den Haupsitz der Bahai zu unterstützen.
Wikipedia zufolge praktizieren die Bahai ihre Religion folgendermaßen:
"Die Bahai-Religion schreibt kaum Riten vor, individueller Gestaltungsfreiraum ist gegeben und Inkulturation wird begrüßt. Adressat fast aller Gebote ist das Individuum, nicht die Gemeinde. Einen unmittelbar erlösenden oder heilsbringenden Charakter haben die Riten nicht. Was zählt, ist die geistige Grundhaltung und nicht die äußere Form. Eine Etablierung kultischer Traditionen jenseits der von Baha’u’llah vorgeschriebenen Riten wird aufgrund der Gefahr der „Verkrustung der Religion“ abgelehnt." (vom 26.11.09, 11:48)

Der Terassen des Bahaigartens vom unteren Teil Haifas aus

Der Garten von oben

schöne Aussicht auf die Stadt

Nach dem Gang durch den Garten machten sich Laura und ich, sowie ein anderer Deutscher, den wir während der Führung kennen gelernt hatten, in die German Colony auf und aßen Sandwiches. Dann mussten wir auch schon wieder zurück fahren. Von der Stadt habe ich bedauernswerterweise nicht so viel gesehen, wie ich mir erhofft hatte.
In Jerusalem angekommen waren die Straßen aufgrund des Shabbats menschenleer. Nur gelegentlich kamen uns jüdische Familien mit mehreren kleinen Kindern entgegen. Diese Stimmung war für mich ganz neu, da ich Freitags sonst immer arbeiten musste.
Aufgrund dieser besonderen Stimmung ging ich abends noch mit Jona ins jüdische Viertel Mea Shearim. Auf den autoleeren Straßen flanierten Heerscharen von feinen und in schwarz gekleideten Juden. Ich kam mir vor, als würde ich in einem anderen Jahrhundert spazieren gehen. Aus manchen Häusern hörten wir jüdischen Gesang.
Auf Schildern wurde darauf hingewiesen, dass diese Wohngegend, wo nur Juden leben, keine touristische Attraktion seien und auf denen erklärt wurde, wie sich Frauen zu kleiden hätten. Jona und ich stachen aufgrund unserer normalen Kleidung tatsächlich sehr aus den uns Umgebenden heraus und wir fühlten uns teiweise unwohl, weil wir nicht als Gaffer betrachtet werden wollten.
Auf einem anderen Schild lasen wir zu unserem Erstaunen, dass sich der dort lebende Teil der Juden sich nicht mit den Zionisten identifiziere und sogar gegen die Gründung eines jüdischen Staates sei. Man kann nicht alle Juden in einen Topf werfen: es gibt hier so viele verschiedene jüdische Gruppierungen, die teilweise Gegensätzliches für richtig halten.
FOTOS FOLGEN BALD!
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