Freitag, 11. Dezember 2009
Reise nach Jordanien
Nachdem ich einen Monat lang meine freien Tage angespart hatte, konnte ich vom 26. bis 29.11. die lang ersehnte Reise nach Jordanien unternehmen.

Freitagnachmittag nahm ich mit Max, Volo aus Bethlehem, den Bus nach Eilat. Wir fuhren fünf Stunden bis in den Süden Israels und kamen spät abends in der uns noch unbekannten Stadt am Roten Meer an. Da wir keine Unterkunft gebucht hatten, irrten wir eine Weile in der Dunkelheit und bei kaltem, feuchtem Wind zwischen riesigen Hotelblöcken umher, bis wir eine Jugendherberge gefunden hatten. Da inzwischen leider schon Nacht war, unternahmen wir nichts mehr, sondern freuten uns auf das Rote Meer bei Tag.

Samstag früh weckte uns eine hell durchs Fenster scheinende Sonne. Nach einer in unseren Augen luxuriösen Dusche im eigenen Badezimmer (!) nahmen wir zum Frühstück eine monströse Cornflakesdosis in Salatschüsseln zu uns, die uns bis nachmittags stärkten sollte.

Das Wetter war blendend und viel wärmer als in Jerusalem. In T-Shirts und mit unseren Rucksäcken machten wir uns auf, vom Meer und Strand Eilats zu profitieren. Nach einigem Verhandeln gönnten Max und ich uns eine Kajaktour im Roten Meer. Eilat, was äußerst westlich und touristisch geprägt ist, ist an sich hässlich: ins Auge stechen die riesigen Hotelklötze; ansonsten gibt es nicht viel zu sehen. Jedoch hatten wir einen grandiosen Blick auf die jordanischen Berge links und die ägyptischen Berge des Sinai rechterhand von uns.

Der Küstenstreifen Israels, der an das Rote Meer anschließt, ist nur wenige Kilometer lang.

Nachdem wir gebadet hatten, entschieden wir uns, die Grenze nach Jordanien zu überschreiten, um noch rechtzeitig zum Sonnenuntergang in Aqaba zu sein. Das Ausreisen dauerte ungefähr eine Stunde, da wir immer wieder an Schaltern warten mussten und unsere Pässe kontrolliert wurden. Für die Ausreise mussten wir 94 Schekel pro Person bezahlen (etwa 19 Euro). Zwischen Israel und Jordanien befindet man sich im Niemandsland: man muss ein etwa hundert Meter langes Stück zwischen den Stacheldrahtzäunen durchlaufen, auf denen Schilder angebracht sind, die vor Minen warnen. Ein schlimmer Anblick, wenn man sich vorstellt, wie eingesperrt man sich als Jordanier vorkommen muss. Obwohl ich eigentlich in bester Stimmung war, war ich dadurch bedrückt und fand diese Absperrung lächerlich und traurig.

Vom wartenden Taxifahrer auf jordanischer Seite wurden wir sofort ausgenommen und mussten für die nur wenige Kilometer lange Fahrt nach Aqaba 10 Dinar (etwa 10 Euro) bezahlen... Als wir den Preis herunterhandeln wollten, indem wir zu Fuß auf der staubigen Straße in brennender Hitze loslaufen wollten, teilte der Fahrer uns mit, dass es verboten sei, zu laufen... Außerdem habe die Regierung diesen festen Preis von 10 Dinar beschlossen. Obwohl wir wussten, dass der Mann uns schamlos belog, nahmen wir schließlich das Taxi, um Zeit zu sparen.

Glücklicherweise fanden wir in Aqaba sofort ein Hotel - mit Badezimmer! Sehr stolz wurde uns das Zimmer mit Balkon und Blick aufs Meer und auf "eine andere Stadt" (Eilat) präsentiert. Dafür zahlten wir pro Person/Nacht 15 Dinar. Aus der Dusche, die "zum Wassersparen einlud" (Zitat von Max), fielen vier dünne kalte Rinnsale herab, und ich wurde, je länger ich mich in dem Zimmer aufhielt, immer glücklicher über den Luxus eines sicheren Schlafplatzes.

Wir beeilten uns, den Sonnenuntergang vom Strand aus zu beobachten. Mir fiel gleich auf, dass hier, im Vergleich zu Eilat, fast jede Frau verschleiert - das heißt mit Kopftuch, langem Gewand, verhülltem Kopf mit Sehschlitz oder gar mit einem Tuch über den ganzen Kopf (Sehen nur durch das Gewebe des Stoffes möglich?) - herumlief. Daher klebte nach wenigen Minuten eine Traube von Jungen und Männern an Max und mir, die Max über mich ausfragten (!) und mich anguckten. Darüber bekam vorübergehend richtig schlechte Laune.

Anschließend gingen wir Schwarma essen und wurden sogleich von einem älteren Mann angesprochen, der uns stolz von seiner hohen Stellung (wie jeder hier...), seinen vielen besichtigten Ländern dieser Welt, seinen wichtigen getroffenen Menschen und seinen mehreren Frauen erzählte. Max und ich amüsierten uns.

Durch Zufall lernten wir einen Verkäufer in einem Ramschladen kennen, der Ende zwanzig ist. Mohammad lud uns sogleich auf arabischen Tee ein und erzählte uns, dass er zwei Jahre in Deutschland Germanistik studiert hat. Als sein Vater jedoch an Hepatitis erkrankte, kehrte er zurück in sein Land, um den Laden nicht untergehen zu lassen. Da sitzt er nun und füllt Sandbilder in Glasflaschen. Und freut sich, wenn Deutsche vorbei kommen. Weil wir uns so gut unterhielten und er uns Vieles über die jordanische Lebensart erzählen konnte, blieben wir etwas drei Stunden bei ihm und genossen die jordanische Gastfreundschaft.

Am nächsten Tag, dem Samstag, nahmen wir in der Frühe den Bus nach Petra, was zwei Autostunden durch die Wüste nördlich von Aqaba liegt. Die Fahrt dorthin war sehr eindrucksvoll, da wir nur von kargem Gebirge, Schluchten und rotem Sand umgeben waren. Ab und zu kamen wir an kleinen Wüstenstädten vorbei, in denen wir aber nicht hielten oder wir entdeckten Schafherden in der Ödnis.

In Petra angekommen, wanderten wir durch die bizarren Felsschluchten, freuten uns über die so andere Umgebung, erkletterten uns Felswände oder alte Säulen, genossen verschiedene Ausblicke und wehrten uns gegen unzählige Angebote auf Eseln oder Kamelen zum Monastery zu gelangen. Die Landschaft ist unbeschreiblich schön in Petra. Wohin man schaut: rötliche Berge, die sich hintereinander reihen, ab und zu ein Olivenbaum. Kurz vor Sonnenuntergang kamen wir am Ziel unserer Wanderung an: das Monastery, eine in den Fels gehauene riesige Fassade eines religiösen Gebäudes. Dort oben hatten wir einen traumhaften Blick und - Stille! Hier fand ich seit meiner Ankunft wieder einen Ort, an dem nichts zu hören war, außer dem Wind und ab und zu dem Schrei eines Vogels oder dem I-A eines Esels.

Bevor es ganz dunkel wurde mussten wir den Rückweg antreten, erhandelten uns nun tatsächlich für eine gewisse Strecke ein Kamel und teilten uns wieder am Ausgang ein Taxi mit ein paar Amerikanern.

Wieder in Aqaba zeigte Mohammad uns ein super Restaurant, wo wir für 10 Dinar pro Person ein exzellentes Abendessen mit mehreren unterschiedlichen Vorspeisen, frisch gepressten Säften und Fisch bekamen.
Bis in die Nacht spielten wir mit Mohammad Schach, tranken Tee und unterhielten uns.

Am letzten Tag unserer Reise hieß es Ausschlafen, billig in Aqaba Einkaufen, Falafel und Fuel - die ägyptische Nationalspeise - Frühstücken und zur Grenze fahren. Dort mussten wir wieder eine längere Befragungs-, Bezahlungs- und Durchsuchungsprozedur über uns ergehen lassen. Obwohl unschuldig, fühlte ich mich wie eine Schwerverbrecherin, die verbotenerweise heimlich einreisen will. Im Gegensatz zur Ausreise wurden wir bei der Wiedereinreise nach Israel nur acht Dinar pro Person los, die wir den Jordaniern zahlen mussten.

In Eilat verbrachten wir noch zwei Stunden schwimmend und uns sonnend am Strand, bevor wir die 5-stündige Busfahrt zurück ins kühle Jerusalem antraten.


Kajakfahren im Roten Meer mit Blick auf die Hotels von Eilat


im Niemandsland zwischen Israel und Jordanien. Zwischen den Stacheldrahtzäunen, die die Staaten voneinander trennen ist nur Wüste und Schutt. Ab und zu sieht man Schilder, die vor Minen warnen.


eine Straße in Aqaba


Sonnenuntergang am Strand von Aqaba


Mohammad in seinem "Ramschladen". Er zeigt mir, wie man in kleine Glasfläschchen Bilder aus Sand zaubert


Wanderung durch die vielfältige Landschaft in Petra


nach einer aufwendigen Kletteraktion haben wir eine gute Aussicht auf das Khazne al-Firaun. Hier wurde die letzte Szene aus Steven Spielbergs "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug" gedreht




Ruinen eines riesigen alten Tempels


Picknick auf einer Säule


kleine Kathrin in riesiger Naturkulisse




der schönste, einsamste und stillste Platz ist erreicht: die Aussicht auf die jordanische Gebirgslandschaft ist atemberaubend




Blick nach oben zu den überstehenden, bizarr vom Wind geformten Sandsteinfelsen


Rückweg in der anbrechenden Dämmerung


Jordanien wird wieder verlassen

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