Samstag, 26. Dezember 2009
Hebron
Einige Tage bevor Jona nach Deutschland zurückfliegt, schaffen wir es, dass wir ein letztes Mal einen gemeinsamen Tagesausflug unternehmen. Da Jona sowieso nach Hebron möchte, schließe ich mich ihm an, um auch diese Stadt in der Westbank kennen zu lernen, welche eine traurige Geschichte erzählt.

Mit Umstieg in Bethlehem erreichen wir Hebron kurz vor Mittag. Wir wissen, dass wir die Abraham-Moschee, die Hauptattraktion Hebrons, nicht besichtigen können, da am muslimischen Neujahrstag nur Muslime in die Moschee Eintritt haben.
Sobald ich aus dem Bus steige bemerke ich die Militärpräsenz um mich. Jona und ich beginnen ein Spiel zu spielen: Wer sieht zuerst eine Frau ohne Kopftuch? Tatsächlich sehen wir den ganzen Tag keine einzige Frau ohne Kopftuch bis auf eine französische Touristin.

Der lebendige Markt überflutet mich mit optischen Reizen: es gibt hier so viele bunte Stoffe; ich weiß gar nicht, wo ich zuerst hinsehen soll. Nach kurzer Zeit finden wir das Geschäft, in dem palästinensische Frauen(!) aus der Umgebung Hebrons selbst gefertigte Stoffe, Tücher, Teppiche, Taschen u.v.m. bei einer Tasse Tee verkaufen. Verglichen mit Jerusalem ist in Hebron alles viel preiswerter.
Über der Einkaufsgasse sind Metallgitter befestigt, damit von den Siedlern nach unten geworfene Steine, Stühle, Sandsäcke, Flaschen und Müll nicht auf die Passanten regnen. Überall sieht man Stacheldraht. Dahinter spielen Kinder Ball.

Wir betreten eine Töpferei, wo uns ein Palästinenser freundlich begrüßt. Er heißt Sohaib und ist Ende zwanzig, spricht sehr gut Französisch, sodass wir gleich ins Gespräch kommen. Er ist in Hebron geboren, hat in Marokko Sport und Geschichte studiert. Zurzeit arbeitet er als Fremdenführer in Hebron und organisiert weiterhin sportliche Aktivitäten zur Förderung der Kinder hier.
Da er heute frei hat und, wie er sagt, es ihm Freude bereitet uns die Stadt, ihre Geschichte und seine Sicht der Dinge über die politische Situation vor Ort nahezubringen, bietet er uns an, uns kostenlos mehrere Stunden herumzuführen. Für Jona und mich ist er ein Glücksgriff. Somit irren wir nicht nur zu zweit durch die Straßen, schockiert von dieser kaputten Stadt, sondern bekommen die interessantesten Orte mit Hintergrundinformation präsentiert.

Natürlich ist Sohaib stark parteiisch auf Seiten der Araber. Im Laufe des Tages erfahren wir warum.
Auffällig sind die Straßensperren, die alle paar Hundert Meter vorhanden sind, wo die Passanten kontrolliert werden. Mir springt ein Bild ins Auge: diese Straße habe ich doch schon einmal auf einem Foto gesehen! Eine Straße, durch eine hüfthohe Betonwand in zwei ungleich breite Teile geteilt. Während sich auf der breiten Hälfte israelische Autos und jüdische Siedler bewegen, müssen die Palästinenser auf den schmalen Fußweg ausweichen.
Von diesen Straßen gibt es hier viele: den Palästinensern ist es nicht erlaubt, sich frei dorthin zu bewegen, wohin sie wollen.

Auf meine naive Anfrage, dass wir uns doch mal einer der fünf Siedlungen nähern könnten, um sie von der Nähe zu betrachten reagiert Sohaib ablehnend. Er wolle das Risiko nicht eingehen von Soldaten unangenehm befragt zu werden und auch auf fliegende Steine sei er nicht scharf. Dass es hier so brenzlig werden würde, hatte ich nicht erwartet.
Jona erzählt mir, dass auch er sich bei seinem letzten Aufenthalt in Hebron ständig bei den Soldaten für diesen Besuch habe rechtfertigen müssen und ein ungestörtes Herumlaufen in alle Bereiche nicht möglich gewesen sei.

Die Militärpräsenz hebt sich besonders dadurch hervor, dass die Straßen menschenleer sind. Alle paar Minuten rast ein israelisches Militärauto knapp an uns vorbei – mir kommt es so vor, als würde dadurch absichtlich eine Einschüchterung der Menschen versucht.

Nach Sohaibs Auskunft befinden sich hier 2000 Soldaten zum Schutz der etwa 400 Siedler.
Seit der zweiten Intifada wurden aufgrund der Präsenz von Soldaten, israelischen Siedlern und Polizisten 2000 arabische Läden geschlossen und über 1000 palästinensische Wohnungen geräumt. Seit 2002 wurden über 100 Straßensperren errichtet. Israelische Streitkräfte besetzen seit 2002 das gesamte Stadtgebiet, gegen das Abkommen von Hebron verstoßend, was eine Kontrolle sowohl durch israelische in einem Teil der Stadt (H2) als auch durch palästinensisches Militär im anderen Teil (H1) vorsieht.

Die Häuser, an denen wir vorbei gehen, sind fast alle unbewohnt, die Fenster sind zerstört, die Metalltore der ehemaligen Läden heruntergefahren und beschmiert; ab und zu begegnen uns Kinder. Ein kleiner Junge hat nur noch einen Arm und hinkt hinter seinem älteren Bruder her.

Der ehemalige blühende und lebendige Marktplatz, von dem Sohaib erzählt, ist nun eine riesige graue Brachfläche ohne Leben. Die Kinder schauen uns mit großen Augen an und folgen uns teilweise. An diesen Ort kommen sonst wohl nur selten Ausländer. Schon ein paar Meter entfernt trifft uns eine Hand voll Kieselsteine von oben. Wer hat da nach uns geworfen? Steine scheinen hier ein normales Kommunikationsmittel zu sein.

Überall, wo man langgeht, sieht man Militärposten auf den Dächern. Teilweise installieren sie ihre Türmchen auf den Dächern der Palästinenser. Überall Kameras, selbst auf dem Friedhof, wie Sohaib behauptet.
Oberhalb des Friedhofs befinden sich Olivenbäume der palästinensischen Bewohner. Zwei davon wurden vor Kurzem von Siedlern angezündet – ein Zeichen, dass die Palästinenser hier nicht erwünscht seien.

Weiter geht es zu einem Haus, wo sich Volontäre betätigen, die von palästinensischen, israelischen und internationalen Assoziationen unterstützt werden. Sie bieten den Menschen hier Hilfe an: es können Sprachkurse besucht werden. Außerdem läuft momentan ein Filmprojekt: den Palästinensern wurden Videokameras zur Verfügung gestellt, mit denen sie ihr Leben und ihre Schwierigkeiten dokumentieren sollen, um anschließend diese der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Nun klettert Sohaib mit uns zu einem zerstörten, bis vor wenigen Jahren noch bewohnten Haus. Ich komme mir vor, wie auf einem Abenteuerspielplatz, nur dass dies hier grausame Realität herrscht. Doch was uns Sohaib eigentlich zeigen will sind Karikaturen an den Wänden: die eine zeigt einen Araber am Galgen, die andere ein Schwein, welches im Koran liest. Darüber die Aufschrift: „Mohammed is a pig“. Also nicht nur Zerstörung, sondern auch Schändung findet man hier.

Nun geschieht etwas, was ich nicht zu hoffen gewagt hätte. Sohaib führt uns durch Gestrüpp und Unterholz – die Straße ist selbst für palästinensische Anwohner gesperrt – zu einem Haus, wo eine mit ihm befreundete Familie wohnt. Als wir um das Haus herum gehen bemerke ich, dass alle Weinstöcke auf halber Höhe durchgesägt sind! Auch hier muss ich als Erklärung hören: das waren die Siedler.

Wir werden vom Familienvater begrüßt und hereingebeten. Das Wohnzimmer ist relativ kahl, die Möbel passen nicht zusammen und sind sehr alt – aber immerhin ist genug Platz für viele Menschen. Die Frau bringt uns Tee und stellt uns einen der zwei Heizstrahler hin, damit wir nicht frieren. Das ist Jona und mir etwas unangenehm.

Die Kinder spielen zu unseren Füßen. Der Mann, dessen Name ich unglücklicherweise nicht behalten konnte, schildert uns die miserable Situation, die er, seine Familie und – wie er immer wieder betont – alle Palästinenser hier, zu erleiden haben.
Er schildert uns die schwierige Lage zwischen 2000 und 2003, in der ein allgemeines Ausgehverbot herrschte und es nur einmal pro Monat für eine Stunde erlaubt gewesen sei draußen einkaufen zu gehen.

Auch über seine Familie erfahren wir mehr: zweimal verloren seine Frau und er ein ungeborenes Kind, da seine Frau von Soldaten geschlagen wurde. Ihm selbst wurden zwei Zähne mit Gewehrkolben ausgeschlagen, sein Nachbar erlitt ebenfalls durch Gewehrkolben einen Beinbruch. Auch an Kindern wird Gewalt getan: eines Tages wurde der 9jährige Sohn eines Bekannten von ihm ohne Grund abgeholt. Ihm wurden Steine in den Mund gestopft und sein Kiefer somit zermalmt.

Der Mann hat eine leise Stimme, wenn er erzählt. In seinen Worten liegt eine gewisse Entschlossenheit. Trotzdem wirkt er mit seiner schmalen Gestalt im Sessel verloren und hilflos.

Er zeigt uns nun einige der Filme, die mithilfe der o.g. Kameras aufgenommen wurden und das Leid widerspiegeln, das den Bewohnern tagtäglich zugefügt wird. Das funktioniert folgendermaßen: wenn sich eine brenzlige Situation anbahnt holt jemand seine Kamera und filmt das Geschehen. Anschließend werden diese Aufnahmen geschnitten, in Form gebracht und teilweise mit kommentierendem und die Situation erklärendem Text unterlegt.

In der ersten kurzen Dokumentation wird die Olivenernte thematisiert. Die Ernte dauert etwa einen Monat. 2007 wurde sie den Palästinensern für drei Tage erlaubt. Die Aufnahme zeigt Tätlichkeiten durch die Siedler, die auf das Gelände dringen, die Erntenden beschimpfen, anschreien und anschließend Gewalt anwenden. In dieser Aufnahme ist es besonders eine Frau, die stänkert und den Palästinensern aggressiv gegenübertritt.

Eine weitere Aufnahme zeigt jüdische Mädchen, die antipalästinensische Parolen brüllen und mit Steinen auf muslimische Schulkinder und Erwachsene werfen, während die Soldaten vollkommen tatenlos, lediglich die Situation beobachtend, herumstehen. Ich erkenne die Umgebung wieder. Denselben Weg sind wir vor einer halben Stunde gegangen.

Ein dritter Film zeigt , wie Siedler und Soldaten Tore und Türen eines arabischen Hauses aufbrechen, Garten und Häuser zerstören. Gefilmt wurde hierbei aus dem Haus, welches betroffen ist. Das Aufbrechen und Zerstören gestaltet sich nicht etwa als heimliche Aktion – nein, Menschenmassen scharen sich um das zu zerstörende Haus: protestierende Palästinenser und schreiende Siedler, sowie Soldaten.

Während der Mann in gebrochenem Englisch erzählt, sitzt seine schüchterne, aber Freundlichkeit ausstrahlende Frau schweigend neben ihm. Die Kinder spielen noch immer auf dem Boden – sie scheinen die Filme schon oft gesehen zu haben. Ab und zu hebt sich ihr Blick zum Fernseher, doch dann ist das Spiel wieder interessanter.

Mich beschäftigen diese Kinder besonders und es drängen sich mir unangenehme Fragen auf: in was für einem Umfeld des Hasses wachsen sie auf? Schon von klein auf erfahren sie vollkommene Ablehnung und Ungerechtigkeit durch eine bestimmte Personengruppe. Wer würde da nicht selbst Ablehnung entwickeln? Was wird aus diesen Kindern werden, wenn sie nie hier heraus kommen? Wie müssen die Eltern sich fühlen, wenn sie ihren Kindern keine gute Zukunft gewähren können? Und: wie kann man diese ultraorthodoxe jüdische Gruppe und das hinter ihnen stehende israelische Militär mit den Palästinensern friedlich zusammenführen? Wodurch konnte es zu dieser vollkommen unterschiedlichen Sicht der Dinge kommen? Und: wodurch wird diese gegenseitige Abneigung genährt?

Wir fragen ihn, ob er häufiger seine Geschichte erzähle. Ja, sagt er, das Erzählen und das Zeigen der Filme sei die effektivste Möglichkeit Menschen von woanders die Situation der Palästinenser mitzuteilen.
Ob er glaube, dass sich die Situation in nächster Zeit verbessern würde? Er hoffe es, sagt er, doch er scheint keinen reellen Glauben daran zu haben.

Als Jona, Sohaib und ich das Haus der Familie verlassen, fühle ich mich elend – kann jedoch nicht realisieren, was ich soeben gehört habe. Auch als Sohaib mich fragt, was ich dazu sage, kann ich nichts erwidern. Einerseits geht mir die Geschichte und gleichzeitig die Versinnbildlichung für so viele Unterdrückte in diesem Land sehr nahe, andererseits bin ich nicht in der Lage, wirklich zu begreifen, was ist.
Ich frage mich die ganze Zeit: wie kann man diesen Konflikt nur lösen? Es kann und darf einfach nicht so bleiben. Diese Ungerechtigkeit und diese Lebensumstände sind unglaublich und unerhört.

Dieser Aufenthalt in Hebron hat mich sehr nachdenklich gemacht.
Was noch interessant wäre: mit einem Siedler selbst zu sprechen, um sich ein Bild von beiden Parteien machen zu können. Eventuell lässt es sich organisieren, dass ich über einen jüdischen Bekannten von Jona mit einem Siedler aus Hebron sprechen kann. Ich werde schauen, was sich machen lässt.

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Freitag, 11. Dezember 2009
Reise nach Jordanien
Nachdem ich einen Monat lang meine freien Tage angespart hatte, konnte ich vom 26. bis 29.11. die lang ersehnte Reise nach Jordanien unternehmen.

Freitagnachmittag nahm ich mit Max, Volo aus Bethlehem, den Bus nach Eilat. Wir fuhren fünf Stunden bis in den Süden Israels und kamen spät abends in der uns noch unbekannten Stadt am Roten Meer an. Da wir keine Unterkunft gebucht hatten, irrten wir eine Weile in der Dunkelheit und bei kaltem, feuchtem Wind zwischen riesigen Hotelblöcken umher, bis wir eine Jugendherberge gefunden hatten. Da inzwischen leider schon Nacht war, unternahmen wir nichts mehr, sondern freuten uns auf das Rote Meer bei Tag.

Samstag früh weckte uns eine hell durchs Fenster scheinende Sonne. Nach einer in unseren Augen luxuriösen Dusche im eigenen Badezimmer (!) nahmen wir zum Frühstück eine monströse Cornflakesdosis in Salatschüsseln zu uns, die uns bis nachmittags stärkten sollte.

Das Wetter war blendend und viel wärmer als in Jerusalem. In T-Shirts und mit unseren Rucksäcken machten wir uns auf, vom Meer und Strand Eilats zu profitieren. Nach einigem Verhandeln gönnten Max und ich uns eine Kajaktour im Roten Meer. Eilat, was äußerst westlich und touristisch geprägt ist, ist an sich hässlich: ins Auge stechen die riesigen Hotelklötze; ansonsten gibt es nicht viel zu sehen. Jedoch hatten wir einen grandiosen Blick auf die jordanischen Berge links und die ägyptischen Berge des Sinai rechterhand von uns.

Der Küstenstreifen Israels, der an das Rote Meer anschließt, ist nur wenige Kilometer lang.

Nachdem wir gebadet hatten, entschieden wir uns, die Grenze nach Jordanien zu überschreiten, um noch rechtzeitig zum Sonnenuntergang in Aqaba zu sein. Das Ausreisen dauerte ungefähr eine Stunde, da wir immer wieder an Schaltern warten mussten und unsere Pässe kontrolliert wurden. Für die Ausreise mussten wir 94 Schekel pro Person bezahlen (etwa 19 Euro). Zwischen Israel und Jordanien befindet man sich im Niemandsland: man muss ein etwa hundert Meter langes Stück zwischen den Stacheldrahtzäunen durchlaufen, auf denen Schilder angebracht sind, die vor Minen warnen. Ein schlimmer Anblick, wenn man sich vorstellt, wie eingesperrt man sich als Jordanier vorkommen muss. Obwohl ich eigentlich in bester Stimmung war, war ich dadurch bedrückt und fand diese Absperrung lächerlich und traurig.

Vom wartenden Taxifahrer auf jordanischer Seite wurden wir sofort ausgenommen und mussten für die nur wenige Kilometer lange Fahrt nach Aqaba 10 Dinar (etwa 10 Euro) bezahlen... Als wir den Preis herunterhandeln wollten, indem wir zu Fuß auf der staubigen Straße in brennender Hitze loslaufen wollten, teilte der Fahrer uns mit, dass es verboten sei, zu laufen... Außerdem habe die Regierung diesen festen Preis von 10 Dinar beschlossen. Obwohl wir wussten, dass der Mann uns schamlos belog, nahmen wir schließlich das Taxi, um Zeit zu sparen.

Glücklicherweise fanden wir in Aqaba sofort ein Hotel - mit Badezimmer! Sehr stolz wurde uns das Zimmer mit Balkon und Blick aufs Meer und auf "eine andere Stadt" (Eilat) präsentiert. Dafür zahlten wir pro Person/Nacht 15 Dinar. Aus der Dusche, die "zum Wassersparen einlud" (Zitat von Max), fielen vier dünne kalte Rinnsale herab, und ich wurde, je länger ich mich in dem Zimmer aufhielt, immer glücklicher über den Luxus eines sicheren Schlafplatzes.

Wir beeilten uns, den Sonnenuntergang vom Strand aus zu beobachten. Mir fiel gleich auf, dass hier, im Vergleich zu Eilat, fast jede Frau verschleiert - das heißt mit Kopftuch, langem Gewand, verhülltem Kopf mit Sehschlitz oder gar mit einem Tuch über den ganzen Kopf (Sehen nur durch das Gewebe des Stoffes möglich?) - herumlief. Daher klebte nach wenigen Minuten eine Traube von Jungen und Männern an Max und mir, die Max über mich ausfragten (!) und mich anguckten. Darüber bekam vorübergehend richtig schlechte Laune.

Anschließend gingen wir Schwarma essen und wurden sogleich von einem älteren Mann angesprochen, der uns stolz von seiner hohen Stellung (wie jeder hier...), seinen vielen besichtigten Ländern dieser Welt, seinen wichtigen getroffenen Menschen und seinen mehreren Frauen erzählte. Max und ich amüsierten uns.

Durch Zufall lernten wir einen Verkäufer in einem Ramschladen kennen, der Ende zwanzig ist. Mohammad lud uns sogleich auf arabischen Tee ein und erzählte uns, dass er zwei Jahre in Deutschland Germanistik studiert hat. Als sein Vater jedoch an Hepatitis erkrankte, kehrte er zurück in sein Land, um den Laden nicht untergehen zu lassen. Da sitzt er nun und füllt Sandbilder in Glasflaschen. Und freut sich, wenn Deutsche vorbei kommen. Weil wir uns so gut unterhielten und er uns Vieles über die jordanische Lebensart erzählen konnte, blieben wir etwas drei Stunden bei ihm und genossen die jordanische Gastfreundschaft.

Am nächsten Tag, dem Samstag, nahmen wir in der Frühe den Bus nach Petra, was zwei Autostunden durch die Wüste nördlich von Aqaba liegt. Die Fahrt dorthin war sehr eindrucksvoll, da wir nur von kargem Gebirge, Schluchten und rotem Sand umgeben waren. Ab und zu kamen wir an kleinen Wüstenstädten vorbei, in denen wir aber nicht hielten oder wir entdeckten Schafherden in der Ödnis.

In Petra angekommen, wanderten wir durch die bizarren Felsschluchten, freuten uns über die so andere Umgebung, erkletterten uns Felswände oder alte Säulen, genossen verschiedene Ausblicke und wehrten uns gegen unzählige Angebote auf Eseln oder Kamelen zum Monastery zu gelangen. Die Landschaft ist unbeschreiblich schön in Petra. Wohin man schaut: rötliche Berge, die sich hintereinander reihen, ab und zu ein Olivenbaum. Kurz vor Sonnenuntergang kamen wir am Ziel unserer Wanderung an: das Monastery, eine in den Fels gehauene riesige Fassade eines religiösen Gebäudes. Dort oben hatten wir einen traumhaften Blick und - Stille! Hier fand ich seit meiner Ankunft wieder einen Ort, an dem nichts zu hören war, außer dem Wind und ab und zu dem Schrei eines Vogels oder dem I-A eines Esels.

Bevor es ganz dunkel wurde mussten wir den Rückweg antreten, erhandelten uns nun tatsächlich für eine gewisse Strecke ein Kamel und teilten uns wieder am Ausgang ein Taxi mit ein paar Amerikanern.

Wieder in Aqaba zeigte Mohammad uns ein super Restaurant, wo wir für 10 Dinar pro Person ein exzellentes Abendessen mit mehreren unterschiedlichen Vorspeisen, frisch gepressten Säften und Fisch bekamen.
Bis in die Nacht spielten wir mit Mohammad Schach, tranken Tee und unterhielten uns.

Am letzten Tag unserer Reise hieß es Ausschlafen, billig in Aqaba Einkaufen, Falafel und Fuel - die ägyptische Nationalspeise - Frühstücken und zur Grenze fahren. Dort mussten wir wieder eine längere Befragungs-, Bezahlungs- und Durchsuchungsprozedur über uns ergehen lassen. Obwohl unschuldig, fühlte ich mich wie eine Schwerverbrecherin, die verbotenerweise heimlich einreisen will. Im Gegensatz zur Ausreise wurden wir bei der Wiedereinreise nach Israel nur acht Dinar pro Person los, die wir den Jordaniern zahlen mussten.

In Eilat verbrachten wir noch zwei Stunden schwimmend und uns sonnend am Strand, bevor wir die 5-stündige Busfahrt zurück ins kühle Jerusalem antraten.


Kajakfahren im Roten Meer mit Blick auf die Hotels von Eilat


im Niemandsland zwischen Israel und Jordanien. Zwischen den Stacheldrahtzäunen, die die Staaten voneinander trennen ist nur Wüste und Schutt. Ab und zu sieht man Schilder, die vor Minen warnen.


eine Straße in Aqaba


Sonnenuntergang am Strand von Aqaba


Mohammad in seinem "Ramschladen". Er zeigt mir, wie man in kleine Glasfläschchen Bilder aus Sand zaubert


Wanderung durch die vielfältige Landschaft in Petra


nach einer aufwendigen Kletteraktion haben wir eine gute Aussicht auf das Khazne al-Firaun. Hier wurde die letzte Szene aus Steven Spielbergs "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug" gedreht




Ruinen eines riesigen alten Tempels


Picknick auf einer Säule


kleine Kathrin in riesiger Naturkulisse




der schönste, einsamste und stillste Platz ist erreicht: die Aussicht auf die jordanische Gebirgslandschaft ist atemberaubend




Blick nach oben zu den überstehenden, bizarr vom Wind geformten Sandsteinfelsen


Rückweg in der anbrechenden Dämmerung


Jordanien wird wieder verlassen

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Samstag, 5. Dezember 2009
Sonnenaufgang auf dem Ölberg









muslimischer Friedhof im arabischen Viertel nahe des Damaskustores

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