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Dienstag, 13. Oktober 2009
Die liebe Arbeit
kathrin schulz, 03:03h
Seit fast einer Woche bin ich bereits im Paulushaus in Jerusalem als Volontärin tätig. Es kommt mir noch nicht so lange vor, da ich immer noch nicht weiß, wo sich viele Dinge befinden und da meine Tätigkeiten bisher nicht besonders abwechslungsreich waren.
Pro Woche arbeite ich um die vierzig Stunden, die auf sechs Tage aufgeteilt sind, wodurch ich pro Tag etwa sieben Stunden zu tun habe.
Bisher habe ich hauptsächlich in der Küche geholfen beim sehr stressigen und körperlich anstrengenden Abwaschen, habe unter Anderem den Kühlraum geputzt, die Wände geschrubbt, den großen Schrank gesäubert, immer wieder den Boden gereinigt, indem die gesamte Küche unter Wasser gesetzt wurde, Gemüse geschnitten, Geschirr hin und her getragen, abgetrocknet,... Also reine Körperarbeit. Hirnarbeit fehlt mir inzwischen.
An die frische Luft komme ich während dieser Zeit gar nicht. Nach der Arbeit bin ich sehr geschafft, sodass die Lust und Kraft danach alleine noch etwas zu unternehmen nicht besonders groß ist.
Es gibt wirklich viel zu tun im Haus, immerhin ist im Oktober Hauptsaison, weil dann das Wetter nicht zu heiß und nicht zu kalt ist. Da wir momentan um die 60-80 Gäste haben, wird die Hilfe der zurzeit acht Volontäre sehr gebraucht. Zwar gibt es noch ein paar fest angestellte Mitarbeiter, aber es häuft sich in einem solchen Betrieb so viel Arbeit an, wie ich lange nicht gedacht hätte.
Meine weiteren Arbeiten, die ich bisher verrichtet habe, waren Speisesaaldienst und Frühstück vorbereiten (um halb 6 aufstehen), was mehr Arbeit ist, als nach was es klingt. Morgen bin ich mit der Zimmerreinigung an der Reihe, auch wenn die Küchenarbeit mein Hauptgebiet bleiben wird.
Schwester Ruth und ich im Speisesaal
Gäste können wirklich anstrengend sein, besonders, wenn sie in Massen vor dem offiziellen Beginn des Essens und vor der Fertigstellung des Buffets in den Speisesaal vordringen und wie ein Heuschreckenschwarm gnadenlos alles verschlingen, sodass man schon vor Beginn (!) alles wiederauffüllen muss. Auch gibt es Gäste, die sich ständig beklagen und uns anpflaumen, wenn wir uns nicht um zehn Sachen gleichzeitig kümmern können. Von manchen Gästen wird das Paulushaus als Hotel betrachtet, was jedoch nicht der Fall ist - für uns Mitarbeiter ein Problem, da wir für Vieles verantwortlich gemacht werden, was nicht in unserer Macht steht.
Auf der anderen Seite gibt es auch Gäste, die sehr dankbar für Alles sind und es ist wirklich eine Freude, wenn sie unsere Arbeit zur Kenntnis nehmen und uns loben.
In der Küche, wo ich bisher die meiste Zeit verbracht habe, gibt es nur christliche arabische Mitarbeiter, die es hier sehr schwer haben, einen Job zu bekommen.
Die Mitarbeiter sind sehr nett zu mir. Während meiner Arbeit dort erschallen um mich ununterbrochen arabische Liebeslieder aus kehlig-rauen Rauchermündern oder aus dem aus dem Radio. Meistens singen alle Angestellten gleichzeitig unterschiedliche Lieder. Dadurch bin auch ich zum Glück nicht mehr gehemmt, mich an diesem Lärm zu beteiligen und meinen Teil dazu beizutragen... Außerdem wird die Küche mindestens einmal pro Tag als arabisches Tanzetablissement von den Mitarbeitern genutzt.
Die Anderen können teils gar nicht, teils etwas Englisch, nur eine Frau kann soviel Französisch, dass wir uns gut unterhalten können. Für mich ist es interessant, wenn sie mich fragen, was einige Wörter bedeuten, die ich benutze. Leider lerne ich dadurch die Sprachen nicht besser, ich habe vielmehr dass Gefühl, ich rede schon wie sie. Doch zum Glück habe ich inzwischen einen amerikanischen Volo kennengelernt, mit dem es eine pure Freude ist, mich zu unterhalten.
In der Küche verständigen wir uns daher meist mit Händen und Füßen oder mir werden auf Arabisch Dinge erklärt, die ich thematisch immerhin erahnen kann.
Mit "Kathrina" oder "Habibi" werde ich nicht nur angesprochen, wenn ich etwas putzen soll, sondern auch, wenn mir köstliche Leckereien in den Mund geschoben werden, was alle paar Minuten der Fall ist, wenn wieder etwas aus dem Ofen kommt. Am Hungertuch nage ich demnach auf keinen Fall.
Insgesamt bin ich recht zufrieden hier, zumal die anderen Volontäre wirklich nett sind. Auch wenn mir mein Putzjob bereits jetzt langsam reicht, gibt es doch Momente, in denen es Freude macht, Dreck zu entfernen und anschließend sich selbst lobend und befriedigt die blitzende Stelle immer wieder zu betrachten oder beschwingt und mit klopfendem Herzen an sie zu denken. :-)
Inzwischen habe ich einige Volontäre von anderen Einsatzstellen kennen gelernt, die oft über das Wochenende nach Jerusalem ins Paulushaus kommen. Mit ihnen habe ich einen Abend in der Weststadt verbracht, was aufgrund von Erfahrungsaustausch und neuen netten Kontakten eine große Bereicherung für mich war und in mir erstmalig eine innere Ruhe und ein Glücksgefühl auslöste, was ich hier bisher noch nicht erfahren hatte. Vielleicht, weil es mir zeigt, dass ich nicht nur an das Paulushaus und dessen Mitarbeiter gebunden bin, sondern ich somit auch die Möglichkeit habe, andere nette junge Leute wiederzutreffen, die ähnliche Interessen haben und mir ihre Umgebung zeigen, sodass ich gleichzeitig das Land bereisen kann? Vielleicht ist es eine Ahnung von mich erwartender Freiheit?
Pro Woche arbeite ich um die vierzig Stunden, die auf sechs Tage aufgeteilt sind, wodurch ich pro Tag etwa sieben Stunden zu tun habe.
Bisher habe ich hauptsächlich in der Küche geholfen beim sehr stressigen und körperlich anstrengenden Abwaschen, habe unter Anderem den Kühlraum geputzt, die Wände geschrubbt, den großen Schrank gesäubert, immer wieder den Boden gereinigt, indem die gesamte Küche unter Wasser gesetzt wurde, Gemüse geschnitten, Geschirr hin und her getragen, abgetrocknet,... Also reine Körperarbeit. Hirnarbeit fehlt mir inzwischen.
An die frische Luft komme ich während dieser Zeit gar nicht. Nach der Arbeit bin ich sehr geschafft, sodass die Lust und Kraft danach alleine noch etwas zu unternehmen nicht besonders groß ist.
Es gibt wirklich viel zu tun im Haus, immerhin ist im Oktober Hauptsaison, weil dann das Wetter nicht zu heiß und nicht zu kalt ist. Da wir momentan um die 60-80 Gäste haben, wird die Hilfe der zurzeit acht Volontäre sehr gebraucht. Zwar gibt es noch ein paar fest angestellte Mitarbeiter, aber es häuft sich in einem solchen Betrieb so viel Arbeit an, wie ich lange nicht gedacht hätte.
Meine weiteren Arbeiten, die ich bisher verrichtet habe, waren Speisesaaldienst und Frühstück vorbereiten (um halb 6 aufstehen), was mehr Arbeit ist, als nach was es klingt. Morgen bin ich mit der Zimmerreinigung an der Reihe, auch wenn die Küchenarbeit mein Hauptgebiet bleiben wird.
Schwester Ruth und ich im Speisesaal
Gäste können wirklich anstrengend sein, besonders, wenn sie in Massen vor dem offiziellen Beginn des Essens und vor der Fertigstellung des Buffets in den Speisesaal vordringen und wie ein Heuschreckenschwarm gnadenlos alles verschlingen, sodass man schon vor Beginn (!) alles wiederauffüllen muss. Auch gibt es Gäste, die sich ständig beklagen und uns anpflaumen, wenn wir uns nicht um zehn Sachen gleichzeitig kümmern können. Von manchen Gästen wird das Paulushaus als Hotel betrachtet, was jedoch nicht der Fall ist - für uns Mitarbeiter ein Problem, da wir für Vieles verantwortlich gemacht werden, was nicht in unserer Macht steht.
Auf der anderen Seite gibt es auch Gäste, die sehr dankbar für Alles sind und es ist wirklich eine Freude, wenn sie unsere Arbeit zur Kenntnis nehmen und uns loben.
In der Küche, wo ich bisher die meiste Zeit verbracht habe, gibt es nur christliche arabische Mitarbeiter, die es hier sehr schwer haben, einen Job zu bekommen.
Die Mitarbeiter sind sehr nett zu mir. Während meiner Arbeit dort erschallen um mich ununterbrochen arabische Liebeslieder aus kehlig-rauen Rauchermündern oder aus dem aus dem Radio. Meistens singen alle Angestellten gleichzeitig unterschiedliche Lieder. Dadurch bin auch ich zum Glück nicht mehr gehemmt, mich an diesem Lärm zu beteiligen und meinen Teil dazu beizutragen... Außerdem wird die Küche mindestens einmal pro Tag als arabisches Tanzetablissement von den Mitarbeitern genutzt.
Die Anderen können teils gar nicht, teils etwas Englisch, nur eine Frau kann soviel Französisch, dass wir uns gut unterhalten können. Für mich ist es interessant, wenn sie mich fragen, was einige Wörter bedeuten, die ich benutze. Leider lerne ich dadurch die Sprachen nicht besser, ich habe vielmehr dass Gefühl, ich rede schon wie sie. Doch zum Glück habe ich inzwischen einen amerikanischen Volo kennengelernt, mit dem es eine pure Freude ist, mich zu unterhalten.
In der Küche verständigen wir uns daher meist mit Händen und Füßen oder mir werden auf Arabisch Dinge erklärt, die ich thematisch immerhin erahnen kann.
Mit "Kathrina" oder "Habibi" werde ich nicht nur angesprochen, wenn ich etwas putzen soll, sondern auch, wenn mir köstliche Leckereien in den Mund geschoben werden, was alle paar Minuten der Fall ist, wenn wieder etwas aus dem Ofen kommt. Am Hungertuch nage ich demnach auf keinen Fall.
Insgesamt bin ich recht zufrieden hier, zumal die anderen Volontäre wirklich nett sind. Auch wenn mir mein Putzjob bereits jetzt langsam reicht, gibt es doch Momente, in denen es Freude macht, Dreck zu entfernen und anschließend sich selbst lobend und befriedigt die blitzende Stelle immer wieder zu betrachten oder beschwingt und mit klopfendem Herzen an sie zu denken. :-)
Inzwischen habe ich einige Volontäre von anderen Einsatzstellen kennen gelernt, die oft über das Wochenende nach Jerusalem ins Paulushaus kommen. Mit ihnen habe ich einen Abend in der Weststadt verbracht, was aufgrund von Erfahrungsaustausch und neuen netten Kontakten eine große Bereicherung für mich war und in mir erstmalig eine innere Ruhe und ein Glücksgefühl auslöste, was ich hier bisher noch nicht erfahren hatte. Vielleicht, weil es mir zeigt, dass ich nicht nur an das Paulushaus und dessen Mitarbeiter gebunden bin, sondern ich somit auch die Möglichkeit habe, andere nette junge Leute wiederzutreffen, die ähnliche Interessen haben und mir ihre Umgebung zeigen, sodass ich gleichzeitig das Land bereisen kann? Vielleicht ist es eine Ahnung von mich erwartender Freiheit?
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Donnerstag, 8. Oktober 2009
Nachtspaziergang durch die Jerusalemer Altstadt
kathrin schulz, 23:30h
Gestern Abend hatte ich das große Glück, dass Jona, der ebenfalls im Paulushaus Volontär ist, mir abends die Jerusalemer Altstadt gezeigt hat.
Gemeinsam sind wir also durch das Damaskustor getreten, zu welchem man vom Paulushaus aus nur etwa eine Minute braucht, da es direkt auf der gegenüberliegenden Straßenseite liegt. Es ist das größte Tor, welches die Jerusalemer Altstadt mit der Neustadt verbindet. Erbaut wurde es im Zuge der Erneuerung der Stadtmauer unter Sultan Süleyman dem Prächtigen 1535-1538. Sein Alter kann man schon an den verrotteten und mit vielen Eisennägeln beschlagenen Holztüren erahnen. Das erste, was ich beim Betreten der Altstadt sah, war eine Gruppe von sechs oder sieben jungen israelischen Militärs, die mit ihren schusssicheren Westen und Gewehren auf uns zukamen.
Wir schlugen den linken Hauptweg ein, der Richtung Klagemauer führt und durchquerten hierfür das arabische Viertel. Obwohl es Nacht und fast niemand auf den Gassen war, fühlte ich mich beengt, besonders, da fast alles überdacht ist und man sich daher nicht mit einem Blick nach oben an Kirch-, Synagogen- oder Moscheetürmen orientieren kann.
Bald gelangten wir zur Sicherheitskontrolle, um auf den Platz gelassen zu werden, wo die Klagemauer steht. Da die Juden zurzeit Sukkot feiern, wimmelte es auf dem Platz und besonders direkt vor der Klagemauer von meist orthodoxen Juden. Die Mauer war durch ein behängtes Gitter in zwei Bereiche abgetrennt: einen für die Männer und in einen für die Frauen. Mir fiel auf, dass der Bereich der Frauen kleiner war als jener für die Männer, obwohl etwa gleich viele männliche und weibliche Juden da waren und ich fragte mich: warum?
Klagemauer
Die Klagemauer hatte ich mir anders vorgestellt, als ich sie hier antraf. In meiner Vorstellung waren es ein paar große alte Steine gewesen, die auf einem Hügel herumlagen und eine Mauer erahnen ließen. Jedoch handelt es sich tatsächlich um eine sehr hohe weiße Mauer, deren ältere untere Steine durch Neuere nach oben hin erweitert wurden und die eine in meinen Augen immense Größe vorwies. Vor dieser Mauer befanden sich Scharen von dunkel gekleideten und fein angezogenen Juden, die in rythmischen Bewegungen ihre Oberkörper entweder hin und her oder vor und zurück bewegten.
Als ich mich umschaute, bemerkte ich, dass alle Frauen und Mädchen um mich herum lange Röcke trugen und ich die Einzige war, die in einer Hose herumlief. Fast alle Männer und Jungen trugen Schläfenlocken. Entweder hatten sie Kippas, steife Hüte oder riesige schwarze puschlige zylinderartige Kopfbedeckungen an, deren Name ich noch nicht in Erfahrung bringen konnte. Auch ihre glänzenden schwarzen frackartige Mäntel, die aufgrund des Gürtels an Bademäntel erinnern, stachen ins Auge der unwissenden Betrachterin. Wir standen eine Weile auf dem Platz herum und betrachteten das Treiben der Menschen um uns. Die Stimmung gefiel mir.

Platz vor der Klagemauer
Auf dem Rückweg suchten wir die Auferstehungskirche, fanden sie aber im Gewirr der tausend Gassen nicht und verliefen uns. Wieder im arabischen Viertel fühlte ich mich von Neuem beengt und etwas abgestoßen durch die vielen räudigen Katzen, den Müll und den Dreck. Ich bin gespannt, wie die Altstadt bei Tag auf mich wirken wird.

entlang der Stadtmauer im jüdischen Viertel mit Blick auf den Felsendom
Gemeinsam sind wir also durch das Damaskustor getreten, zu welchem man vom Paulushaus aus nur etwa eine Minute braucht, da es direkt auf der gegenüberliegenden Straßenseite liegt. Es ist das größte Tor, welches die Jerusalemer Altstadt mit der Neustadt verbindet. Erbaut wurde es im Zuge der Erneuerung der Stadtmauer unter Sultan Süleyman dem Prächtigen 1535-1538. Sein Alter kann man schon an den verrotteten und mit vielen Eisennägeln beschlagenen Holztüren erahnen. Das erste, was ich beim Betreten der Altstadt sah, war eine Gruppe von sechs oder sieben jungen israelischen Militärs, die mit ihren schusssicheren Westen und Gewehren auf uns zukamen.
Wir schlugen den linken Hauptweg ein, der Richtung Klagemauer führt und durchquerten hierfür das arabische Viertel. Obwohl es Nacht und fast niemand auf den Gassen war, fühlte ich mich beengt, besonders, da fast alles überdacht ist und man sich daher nicht mit einem Blick nach oben an Kirch-, Synagogen- oder Moscheetürmen orientieren kann.
Bald gelangten wir zur Sicherheitskontrolle, um auf den Platz gelassen zu werden, wo die Klagemauer steht. Da die Juden zurzeit Sukkot feiern, wimmelte es auf dem Platz und besonders direkt vor der Klagemauer von meist orthodoxen Juden. Die Mauer war durch ein behängtes Gitter in zwei Bereiche abgetrennt: einen für die Männer und in einen für die Frauen. Mir fiel auf, dass der Bereich der Frauen kleiner war als jener für die Männer, obwohl etwa gleich viele männliche und weibliche Juden da waren und ich fragte mich: warum?
Klagemauer
Die Klagemauer hatte ich mir anders vorgestellt, als ich sie hier antraf. In meiner Vorstellung waren es ein paar große alte Steine gewesen, die auf einem Hügel herumlagen und eine Mauer erahnen ließen. Jedoch handelt es sich tatsächlich um eine sehr hohe weiße Mauer, deren ältere untere Steine durch Neuere nach oben hin erweitert wurden und die eine in meinen Augen immense Größe vorwies. Vor dieser Mauer befanden sich Scharen von dunkel gekleideten und fein angezogenen Juden, die in rythmischen Bewegungen ihre Oberkörper entweder hin und her oder vor und zurück bewegten.
Als ich mich umschaute, bemerkte ich, dass alle Frauen und Mädchen um mich herum lange Röcke trugen und ich die Einzige war, die in einer Hose herumlief. Fast alle Männer und Jungen trugen Schläfenlocken. Entweder hatten sie Kippas, steife Hüte oder riesige schwarze puschlige zylinderartige Kopfbedeckungen an, deren Name ich noch nicht in Erfahrung bringen konnte. Auch ihre glänzenden schwarzen frackartige Mäntel, die aufgrund des Gürtels an Bademäntel erinnern, stachen ins Auge der unwissenden Betrachterin. Wir standen eine Weile auf dem Platz herum und betrachteten das Treiben der Menschen um uns. Die Stimmung gefiel mir.

Platz vor der Klagemauer
Auf dem Rückweg suchten wir die Auferstehungskirche, fanden sie aber im Gewirr der tausend Gassen nicht und verliefen uns. Wieder im arabischen Viertel fühlte ich mich von Neuem beengt und etwas abgestoßen durch die vielen räudigen Katzen, den Müll und den Dreck. Ich bin gespannt, wie die Altstadt bei Tag auf mich wirken wird.

entlang der Stadtmauer im jüdischen Viertel mit Blick auf den Felsendom
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Mittwoch, 7. Oktober 2009
Ankunft in Tel Aviv und Jerusalem
kathrin schulz, 01:11h
Am Montag um 19:30 ging mein Flug von Berlin Tegel nach Tel Aviv. Der Flug verlief sehr gut, doch ich bedauerte, dass es anfing zu dämmern, als wir den Boden verließen, da man in den folgenden dreieinhalb Stunden in der Dunkelheit in 11 000 Metern Höhe nur sehr schwer kleine Lichter unter uns erkennen konnte.
Als das Flugzeug in Tel Aviv landete, stiegen mir beim Anblick des Lichtermeeres der Stadt Tränen in die Augen.
Entgegen meiner Erwartungen wurde ich bei meiner Ankunft kaum zu meiner Einreise befragt und auch mein Gepäck blieb von den Sicherheitskräften unangetastet. Ein Touristenvisum für drei Monate bekam ich problemlos.
Die Ankunftshalle des Flughafens Ben Gurion beeindruckte mich beim Hinaustreten aufgrund ihrer modernen Architektur.
Die Zeit zwischen meiner Ankunft um Mitternacht und meiner Abholung um sechs Uhr morgens durch Schwester Ruth und Schwester Kati verbrachte ich in ungemütlichen Sitz-, Lieg- und Kauerpositionen, die mich vom Schlafen abhielten. Jedoch gab mir dieser sechsstündige Aufenthalt auf dem Flughafen die Möglichkeit, die ankommenden und abholenden Menschen näher betrachten zu können. Besonders fielen mir hierbei die orthodoxen Juden aufgrund ihrer andersartigen Bekleidung auf, sowie aufgrund ihrer Schläfenlocken. Im Kontrast zu ihren verhüllten Körpern standen die anderen Wartenden, die lediglich kurze Hosen und T-Shirts trugen.
Auf der 45minütigen Autofahrt nach Jerusalem hatte ich das Glück, die Landschaft bei aufgehender Sonne erstmals sehen zu können.
Das Paulushaus, in dem wir schließlich ankamen, liegt direkt gegenüber vom Damaskustor und von der Terrasse hat man einen wunderbaren Ausblick über die Altstadt.
Es erwartete mich meine neue Zimmernachbarin Lisa, mit der ich mich unterhielt, bevor wir Frühstücken gingen. Den weiteren Tag verbrachten wir damit, das Zimmer weiter einzurichten, zum französischen Pilgerhaus Notre-Dame zu gehen, um uns über einen dort stattfindenden Sprachkurs in Ivrit zu informieren, Mittag zu essen, einen Mittagsschlaf zu machen und noch einmal zu dritt in die Stadt loszuziehen.
Dort wurde mir klar, wie wichtig es für die Menschen hier ist, ihren Glauben öffentlich zur Schau zu stellen. Ich fühlte mich hin- und hergerissen zwischen Faszination dieser Andersartigkeit zu Deutschland und einer inneren Ablehnung dieser religiösen Öffentlichmachung. Einen Augenblick lang wünschte ich mir in der Haut eines dieser jüdisch-orthodoxen Kinder zu stecken, welches mit seinen Eltern und seinen fünf Geschwistern, deutlich durch Bekleidung und Frisur gekennzeichnet, eilig durch die Straßen schritt, um seine Gedanken nachzuempfinden.
Abgesehen von den orthodoxen Juden trugen fast alle vorübergehenden Männer und Jungen eine Kippa auf dem Kopf, was ich ebenfalls als klares religiöses Statement verstand und was mich wieder über meine Gefühle uneinig mit mir selbst werden ließ.
Wohlbehalten kehrten wir ins Paulushaus zurück, um Abendbrot zu essen.

Blick von der Dachterrasse des Paulushauses am Morgen: Damaskustor
Als das Flugzeug in Tel Aviv landete, stiegen mir beim Anblick des Lichtermeeres der Stadt Tränen in die Augen.
Entgegen meiner Erwartungen wurde ich bei meiner Ankunft kaum zu meiner Einreise befragt und auch mein Gepäck blieb von den Sicherheitskräften unangetastet. Ein Touristenvisum für drei Monate bekam ich problemlos.
Die Ankunftshalle des Flughafens Ben Gurion beeindruckte mich beim Hinaustreten aufgrund ihrer modernen Architektur.
Die Zeit zwischen meiner Ankunft um Mitternacht und meiner Abholung um sechs Uhr morgens durch Schwester Ruth und Schwester Kati verbrachte ich in ungemütlichen Sitz-, Lieg- und Kauerpositionen, die mich vom Schlafen abhielten. Jedoch gab mir dieser sechsstündige Aufenthalt auf dem Flughafen die Möglichkeit, die ankommenden und abholenden Menschen näher betrachten zu können. Besonders fielen mir hierbei die orthodoxen Juden aufgrund ihrer andersartigen Bekleidung auf, sowie aufgrund ihrer Schläfenlocken. Im Kontrast zu ihren verhüllten Körpern standen die anderen Wartenden, die lediglich kurze Hosen und T-Shirts trugen.
Auf der 45minütigen Autofahrt nach Jerusalem hatte ich das Glück, die Landschaft bei aufgehender Sonne erstmals sehen zu können.
Das Paulushaus, in dem wir schließlich ankamen, liegt direkt gegenüber vom Damaskustor und von der Terrasse hat man einen wunderbaren Ausblick über die Altstadt.
Es erwartete mich meine neue Zimmernachbarin Lisa, mit der ich mich unterhielt, bevor wir Frühstücken gingen. Den weiteren Tag verbrachten wir damit, das Zimmer weiter einzurichten, zum französischen Pilgerhaus Notre-Dame zu gehen, um uns über einen dort stattfindenden Sprachkurs in Ivrit zu informieren, Mittag zu essen, einen Mittagsschlaf zu machen und noch einmal zu dritt in die Stadt loszuziehen.
Dort wurde mir klar, wie wichtig es für die Menschen hier ist, ihren Glauben öffentlich zur Schau zu stellen. Ich fühlte mich hin- und hergerissen zwischen Faszination dieser Andersartigkeit zu Deutschland und einer inneren Ablehnung dieser religiösen Öffentlichmachung. Einen Augenblick lang wünschte ich mir in der Haut eines dieser jüdisch-orthodoxen Kinder zu stecken, welches mit seinen Eltern und seinen fünf Geschwistern, deutlich durch Bekleidung und Frisur gekennzeichnet, eilig durch die Straßen schritt, um seine Gedanken nachzuempfinden.
Abgesehen von den orthodoxen Juden trugen fast alle vorübergehenden Männer und Jungen eine Kippa auf dem Kopf, was ich ebenfalls als klares religiöses Statement verstand und was mich wieder über meine Gefühle uneinig mit mir selbst werden ließ.
Wohlbehalten kehrten wir ins Paulushaus zurück, um Abendbrot zu essen.

Blick von der Dachterrasse des Paulushauses am Morgen: Damaskustor
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